Ich würd es hören
1892Läg dort ich unterm Firneschein Auf hoher Alp begraben, Ich schliefe mitten im Juchhein Der wilden Hirtenknaben.
Wo sonst ich lag im süssen Tag, Läg ich in dunkeln Decken, Der Laue Krach und dumpfer Schlag, Er würde mich nicht wecken.
Und käme schwarzer Sturm gerauscht Und schüttelte die Tannen, Er führe, von mir unbelauscht, Vorüber und von dannen
Doch klänge sanfter Glockenchor, Ich liesse wohl mich stören Und lauscht ein Weilchen gern empor, Das Herdgeläut zu hören.
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Interpretation
Das Gedicht "Ich würd es hören" von Conrad Ferdinand Meyer handelt von der Sehnsucht des lyrischen Ichs nach seiner Heimat und den vertrauten Klängen seiner Kindheit. Das Ich imaginiert sich selbst unter der Schneedecke einer hohen Alp begraben, inmitten der wilden Hirtenknaben. Dort würde es in einem tiefen Schlaf versinken, ungestört von den natürlichen Geräuschen der Umgebung. Das lyrische Ich beschreibt, wie es auch durch den "laue Krach und dumpfer Schlag" nicht geweckt werden würde. Selbst ein schwarzer Sturm, der die Tannen schüttelt, würde an ihm vorüberziehen, ohne es zu stören. Die Naturgewalten haben keine Macht über das Ich, solange es in seinem tiefen Schlaf versunken ist. Doch es gibt eine Ausnahme: Der sanfte Klang des Glockenchors würde das Ich aus seinem Schlaf erwecken. Es würde gerne für einen Moment empor lauschen, um das Herdgeläut zu hören. Dieses Geläut symbolisiert die Heimat und die vertrauten Klänge der Kindheit, nach denen sich das Ich sehnt. Das Gedicht vermittelt somit eine tiefe Sehnsucht nach der Geborgenheit und Vertrautheit der Heimat, die selbst den Tod überdauert.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Und käme schwarzer Sturm gerauscht Und schüttelte die Tannen
- Hyperbel
- Das Herdgeläut zu hören
- Ironie
- Doch klänge sanfter Glockenchor, Ich liesse wohl mich stören
- Kontrast
- Der Laue Krach und dumpfer Schlag, Er würde mich nicht wecken
- Metapher
- Läg dort ich unterm Firneschein
- Personifikation
- Wo sonst ich lag im süssen Tag, Läg ich in dunkeln Decken