Ich wollt ein Sträußlein binden...

Clemens Brentano

1778

Ich wollt ein Sträußlein binden, Da kam die dunkle Nacht, Kein Blümlein war zu finden, Sonst hätt ich dir′s gebracht.

Da flossen von den Wangen Mir Tränen in den Klee, Ein Blümlein aufgegangen Ich nun im Garten seh.

Das wollte ich dir brechen Wohl in dem dunklen Klee, Doch fing es an zu sprechen: »Ach tue mir nicht weh!

Sei freundlich in dem Herzen, Betracht dein eigen Leid, Und lasse mich in Schmerzen Nicht sterben vor der Zeit.«

Und hätt′s nicht so gesprochen, Im Garten ganz allein, So hätt ich dir′s gebrochen, Nun aber darf′s nicht sein.

Mein Schatz ist ausgeblieben, Ich bin so ganz allein. Im Lieben wohnt Betrüben, Und kann nicht anders sein.

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Ich wollt ein Sträußlein binden...

Interpretation

Das Gedicht "Ich wollt ein Sträußlein binden" von Clemens Brentano erzählt von der vergeblichen Suche nach Blumen in der Dunkelheit der Nacht. Der Sprecher möchte seiner Liebsten ein Sträußchen binden, findet aber keine Blumen und kehrt mit Tränen in den Augen zurück. In seiner Trauer wächst ein einzelnes Blümchen auf, das er jedoch nicht pflücken kann, da es zu sprechen beginnt und ihn bittet, es nicht zu verletzen. Das Gedicht thematisiert die Unmöglichkeit, Liebe und Glück in einer Welt voller Schmerz und Leid zu finden. Der Sprecher ist allein und seine Liebste ist nicht da, um ihm Trost zu spenden. Das sprechende Blümchen symbolisiert die Zerbrechlichkeit des Lebens und die Notwendigkeit, Mitgefühl und Freundlichkeit walten zu lassen. Der Sprecher erkennt, dass er das Blümchen nicht pflücken darf, da es leiden würde, und entscheidet sich stattdessen, es in Ruhe zu lassen. Das Gedicht endet mit der Erkenntnis, dass Liebe und Glück untrennbar mit Schmerz und Leid verbunden sind. Der Sprecher akzeptiert, dass er allein ist und dass dies der unvermeidliche Lauf der Dinge ist. Die letzte Zeile "Und kann nicht anders sein" drückt die Resignation und die Akzeptanz der unausweichlichen Traurigkeit aus, die mit der Liebe einhergeht.

Schlüsselwörter

hätt blümlein klee garten ganz allein wollt sträußlein

Wortwolke

Wortwolke zu Ich wollt ein Sträußlein binden...

Stilmittel

Alliteration
Mein Schatz ist ausgeblieben
Bildlichkeit
Tränen in den Klee
Ironie
Im Lieben wohnt Betrüben, Und kann nicht anders sein
Kontrast
Im Lieben wohnt Betrüben
Metapher
Ich wollt ein Sträußlein binden
Personifikation
Doch fing es an zu sprechen: 'Ach tue mir nicht weh!'
Reimschema
AABB
Symbolik
Blümlein