Ich weiß von allem Leid...

Erich Kurt Mühsam

1914

Ich weiß von allem Leid, fühl alle Scham und möchte helfen aller Kreatur. Der Liebe such ich aus dem Haß die Spur, dem Menschenglück den Weg aus Not und Gram. Den Trostbedürftigen geb ich Wort und Rat, den Haltbedürftigen reich ich meine Hand. Doch keiner war noch, der mein Wort verstand, und keiner, der die Hand ergriffen hat. Ich weiß vom Leide nur, fühl nur die Scham - und kann doch selber nicht Erlöser sein, wie jener Jesus, der die ganze Pein der Welt auf seine schwachen Schultern nahm.

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Interpretation

Das Gedicht "Ich weiß von allem Leid..." von Erich Kurt Mühsam thematisiert die Hilflosigkeit und Einsamkeit des lyrischen Ichs angesichts des Leids der Welt. Das Ich fühlt mit allen Geschöpfen, möchte helfen und Trost spenden, doch seine Worte und Gesten bleiben ungehört und unbeachtet. Es erkennt die Not und das Leid, kann aber selbst keine Erlösung bringen. Das lyrische Ich empfindet tiefes Mitgefühl mit allen Geschöpfen und möchte ihnen aus ihrem Leid und ihrer Scham helfen. Es sucht die Spur der Liebe im Hass und den Weg zum Glück aus Not und Gram. Es gibt Trostbedürftigen Worte und Rat und Haltbedürftigen seine Hand. Doch niemand versteht seine Worte und niemand ergreift seine Hand. Das Ich fühlt sich allein gelassen mit seinem Wissen und seinen Gefühlen. Am Ende des Gedichts vergleicht sich das lyrische Ich mit Jesus, der die ganze Pein der Welt auf sich genommen hat. Es wünscht sich selbst ebenfalls die Fähigkeit zur Erlösung, kann diese aber nicht erreichen. Es bleibt hilflos und allein zurück, umgeben von Leid und Scham, das es nicht lindern kann. Das Gedicht vermittelt eine tiefe Verzweiflung und Resignation angesichts der Unmöglichkeit, das Leid der Welt zu überwinden.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
Ich weiß von allem Leid, fühl alle Scham
Bild
wie jener Jesus, der die ganze Pein der Welt auf seine schwachen Schultern nahm
Hyperbel
und möchte helfen aller Kreatur
Ironie
Doch keiner war noch, der mein Wort verstand, und keiner, der die Hand ergriffen hat
Kontrast
Den Trostbedürftigen geb ich Wort und Rat, den Haltbedürftigen reich ich meine Hand
Metapher
der Liebe such ich aus dem Haß die Spur