Ich singe dir mit Herz und Mund
1653Ich singe dir mit Herz und Mund, Herr, meines Herzens Lust; ich sing und mach auf Erden kund, was mir von dir bewußt.
Ich weiß, daß du der Brunn der Gnad und ewge Quelle bist, daraus uns allen früh und spat viel Heil und Gutes fließt.
Was sind wir doch? Was haben wir auf dieser ganzen Erd, das uns, o Vater, nicht von dir allein gegeben werd?
Du nährest uns von Jahr zu Jahr, bleibst immer fromm und treu und stehst uns, wenn wir in Gefahr geraten, treulich bei.
Du strafst uns Sünder mit Geduld und schlägst nicht allzusehr; ja, endlich nimmst du unsre Schuld und wirfst sie in das Meer.
Du zählst, wie oft ein Christe wein und was sein Kummer sei; kein Zähr- und Tränlein ist so klein, du hebst und legst es bei.
Du füllst des Lebens Mangel aus mit dem, was ewig steht, und führst uns in des Himmels Haus, wenn uns die Erd entgeht.
Wohlauf, mein Herze, sing und spring und habe guten Mut! Dein Gott, der Ursprung aller Ding, ist selbst und bleibt dein Gut.
Er ist dein Schatz, dein Erb und Teil, dein Glanz und Freudenlicht, dein Schirm und Schild, dein Hilf und Heil, schafft Rat und läßt dich nicht.
Was kränkst du dich in deinem Sinn und grämst dich Tag und Nacht? Nimm deine Sorg und wirf sie hin auf den, der dich gemacht.
Hat er dich nicht von Jugend auf versorget und ernährt? Wie manchen schweren Unglückslauf hat er zurückgekehrt?
Er hat noch niemals was versehn in seinem Regiment; Nein, was er tut und läßt geschehn, das nimmt ein gutes End.
Ei nun, so laß ihn ferner tun und red ihm nicht darein, so wirst du hier in Frieden ruhn und ewig fröhlich sein.
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Interpretation
Das Gedicht "Ich singe dir mit Herz und Mund" von Paul Gerhardt ist ein geistliches Lied, das die tiefe Verbundenheit des Dichters mit Gott zum Ausdruck bringt. In den ersten Strophen preist der Sprecher Gott mit Herz und Mund und macht kund, was ihm von Gott bewusst geworden ist. Er erkennt Gott als Quelle der Gnade und des Heils, aus der alles Gute fließt. In den folgenden Strophen reflektiert der Sprecher über die Abhängigkeit des Menschen von Gott. Er fragt, was der Mensch auf Erden besitzt, das ihm nicht von Gott allein gegeben wurde. Der Sprecher preist Gott dafür, dass er die Menschen von Jahr zu Jahr nährt, ihnen in Gefahr beisteht und ihre Sünden mit Geduld züchtigt. Gott zählt sogar die Tränen und den Kummer der Christen und nimmt ihnen ihre Schuld. Im letzten Teil des Gedichts ermutigt der Sprecher sein eigenes Herz, Gott zu preisen und sich keine Sorgen zu machen. Er erinnert sich daran, dass Gott ihn von Jugend an versorgt und ernährt hat und noch nie etwas verfehlt hat. Der Sprecher schließt mit der Aufforderung, Gott freien Lauf zu lassen und sich nicht in sein Wirken einzumischen, um Frieden und ewige Freude zu erlangen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Was sind wir doch? Was haben wir auf dieser ganzen Erd
- Anapher
- Ich singe dir mit Herz und Mund, Herr, meines Herzens Lust; ich sing und mach auf Erden kund, was mir von dir bewußt.
- Apostrophe
- Wohlauf, mein Herze, sing und spring und habe guten Mut!
- Chiasmus
- Hat er dich nicht von Jugend auf versorget und ernährt?
- Hyperbel
- Du zählst, wie oft ein Christe wein und was sein Kummer sei; kein Zähr- und Tränlein ist so klein, du hebst und legst es bei.
- Kontrast
- Du strafst uns Sünder mit Geduld und schlägst nicht allzusehr
- Metapher
- Du bist der Brunn der Gnad und ewge Quelle
- Parallelismus
- Er ist dein Schatz, dein Erb und Teil, dein Glanz und Freudenlicht, dein Schirm und Schild, dein Hilf und Heil
- Personifikation
- Du führst uns in des Himmels Haus, wenn uns die Erd entgeht.
- Rhetorische Frage
- Was kränkst du dich in deinem Sinn und grämst dich Tag und Nacht?