Ich sah Dich weinen
1788Ich sah dich weinen,- hell und schwer
Die Trän im tiefsten Blau; Da däuchte mir, daß Auge wär
Ein Veilchen, feucht von Tau.
Ich sah dich lächeln,- bleich und fahl
Erschien des Saphiers Glühn,
Besiegt von dem lebend`gem Strahl.
Den deine Blicke sprühn.
Wie das Gewölk den goldnen Saum Von jener Sonn` empfängt, Den selbst der Abendschatten kaum Vom Himmelszelt verdrängt, So strahlt dein Lächeln all sein Glück Ins finstere Gemüt Und läßt den Sonnenschein zurück, Der hell das Herz durchglüht.
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Interpretation
Das Gedicht "Ich sah Dich weinen" von George Gordon Lord Byron beschreibt die tiefe emotionale Wirkung, die der Anblick der Tränen und des Lächelns einer geliebten Person auf den lyrischen Ich ausübt. In den ersten beiden Strophen vergleicht der Sprecher die Tränen mit einem Veilchen, das vom Tau benetzt ist, und das Lächeln mit dem Glühen eines Saphirs, das von den lebendigen Strahlen der Blicke der Geliebten überwältigt wird. Die dritte und vierte Strophe ziehen eine Parallele zwischen dem Lächeln der Geliebten und dem goldenen Saum einer Wolke, der das Licht der untergehenden Sonne einfängt. Auch wenn der Abenddämmerung und den Schatten des Himmels kaum etwas davon übrig bleibt, strahlt das Lächeln seine ganze Freude in die dunkle Seele des Sprechers und lässt die Wärme der Sonne zurück, die das Herz durchglüht. Das Gedicht vermittelt somit die transformative Kraft der Emotionen und die tiefe Verbundenheit zwischen den beiden Personen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Und läßt den Sonnenschein zurück, Der hell das Herz durchglüht.
- Metapher
- Da däuchte mir, daß Auge wär` Ein Veilchen, feucht von Tau.
- Personifikation
- Den selbst der Abendschatten kaum Vom Himmelszelt verdrängt
- Vergleich
- Wie das Gewölk den goldnen Saum Von jener Sonn` empfängt