Ich möchte...

August von Platen

1834

Ich möchte, wenn ich sterbe, wie die lichten Gestirne schnell und unbewußt erbleichen, Erliegen möcht’ ich einst des Todes Streichen, Wie Sagen uns vom Pindaros berichten.

Ich will ja nicht im Leben oder Dichten Den großen Unerreichlichen erreichen, Ich möcht’, o Freund, ihm nur im Tode gleichen; Doch höre nun die schönste der Geschichten!

Er saß im Schauspiel, vom Gesang beweget, Und hatte, der ermüdet war, die Wangen Auf seines Lieblings schönes Knie geleget:

Als nun der Chöre Melodien verklangen, Will wecken ihn, der ihn so sanft geheget, Doch zu den Göttern war er heimgegangen.

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Interpretation

Das Gedicht "Ich möchte..." von August von Platen handelt von der Sehnsucht des lyrischen Ichs nach einem sanften und würdevollen Tod, inspiriert von der Legende des antiken Dichters Pindaros. Das Ich wünscht sich, wie die Sterne schnell und unbewusst zu erbleichen und dem Tod ohne Schmerzen zu erliegen. Es strebt nicht danach, Pindaros im Leben oder in seinem dichterischen Schaffen zu erreichen, sondern nur in der Art und Weise seines Todes. Die schönste Geschichte, die das lyrische Ich zu erzählen hat, ist die von Pindaros' Tod. Er saß im Theater, bewegt von Gesang, und hatte seinen müden Kopf auf das Knie seines geliebten Knaben gelegt. Als die Melodien des Chors verklangen, versuchte der Geliebte, Pindaros zu wecken, doch dieser war bereits zu den Göttern heimgegangen. Dieses Bild eines sanften, von Liebe und Schönheit umgebenen Todes wird als Ideal präsentiert. Das Gedicht reflektiert die romantische Vorstellung vom Tod als einem Übergang zu den Göttern, der in einem Moment höchster ästhetischer und emotionaler Erfüllung stattfindet. Die Liebe zum Knaben und die Begeisterung für die Kunst werden als würdevolle Begleiter auf dem letzten Weg dargestellt. Platen verleiht dem Tod hier eine fast verklärende Schönheit und wünscht sich, selbst in solch einem Moment der Vollendung von der Welt Abschied nehmen zu dürfen.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
schönste der Geschichten
Bildlichkeit
Er saß im Schauspiel, vom Gesang beweget
Hyperbel
Den großen Unerreichlichen erreichen
Metapher
wie die lichten Gestirne schnell und unbewußt erbleichen
Personifikation
des Todes Streichen
Symbolik
zu den Göttern war er heimgegangen
Vergleich
Erliegen möcht' ich einst des Todes Streichen, Wie Sagen uns vom Pindaros berichten