Ich mache die kleinen Lieder...

Heinrich Heine

1797

Ich mache die kleinen Lieder Der Herzallerliebsten mein, Die heben ihr klingend Gefieder Und fliegen zu dir hinein.

Es stammen die kleinen Jungen Vom schnalzenden Herrn Gemahl, Die kommen zu dir gesprungen Über Wiese, Busch und Tal.

Die Leute so gerne weilen Bei meiner Lieder Chor; Doch bei der Jungen Heulen Sie halten sich zu das Ohr.

Und der dies Lied gesungen, Der liegt allein in der Nacht, Und hätte weit lieber die Jungen, Ach, als die Lieder gemacht!

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Interpretation

Das Gedicht "Ich mache die kleinen Lieder" von Heinrich Heine beschäftigt sich mit dem Thema der unerfüllten Liebe und Sehnsucht. Der lyrische Ich erzählt davon, wie er kleine Lieder für seine Geliebte schreibt, die dann zu ihr fliegen. Diese Lieder symbolisieren seine Gefühle und Gedanken, die er nicht persönlich ausdrücken kann. Die Lieder werden als Vögel mit "klingendem Gefieder" dargestellt, was ihre Schönheit und Anziehungskraft betont. Im zweiten Teil des Gedichts werden die "kleinen Jungen" erwähnt, die vom Gemahl der Geliebten stammen. Diese Jungen kommen zu ihr gesprungen und symbolisieren die körperliche Nähe und das Glück, das der Gemahl mit ihr teilt. Der Kontrast zwischen den Lieder und den Jungen verdeutlicht den Unterschied zwischen der emotionalen und der körperlichen Ebene der Liebe. Die Menschen genießen die Lieder des lyrischen Ichs, aber bei den Jungen halten sie sich die Ohren zu. Dies könnte bedeuten, dass die Menschen die emotionale Ebene der Liebe bevorzugen, während die körperliche Ebene als weniger wichtig oder sogar störend empfunden wird. Der letzte Teil des Gedichts offenbart die tiefe Einsamkeit des lyrischen Ichs. Er wünscht sich, dass er die Jungen gemacht hätte, anstatt die Lieder, was seine Sehnsucht nach einer tieferen Verbindung mit seiner Geliebten ausdrückt. Das Gedicht endet mit einem Gefühl der Resignation und unerfüllten Sehnsucht.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Bildsprache
Die Verwendung von 'Wiese, Busch und Tal' schafft ein lebendiges Bild der Reise der Jungen.
Ironie
Der Wunsch des Autors, er hätte lieber die Jungen als die Lieder gemacht, obwohl er die Lieder geschaffen hat.
Kontrast
Der Kontrast zwischen den Menschen, die gerne bei den Liedern weilen, und denen, die bei den Jungen weinen und sich die Ohren zuhalten.
Metapher
Die Lieder werden als 'klingendes Gefieder' beschrieben, was ihnen die Eigenschaft des Fliegens und des Klangs verleiht.
Parallelismus
Die Struktur der Verse mit ähnlichen Anfängen und Endungen, wie in den Zeilen über die Jungen und die Lieder.
Personifikation
Die Lieder 'heben ihr klingendes Gefieder und fliegen zu dir hinein', was ihnen menschenähnliche Fähigkeiten gibt.