Ich lausche lange oft in einer Ecke

Ada Christen

1870

Ich lausche lange oft in einer Ecke, Bis ich auf der Terrasse Dich erspähe; Du aber ahnest nimmer meine Nähe, Ahn′st nicht die Qualen, die ich mir erwecke. Du hüllest Dich in Deine weichen Tücher Und trällerst leichthin Deine weichen Lieder, O komm′ zu mir, - komm′ wieder, - komme wieder! - Ich schaffe Gold - ich denke große Bücher; Verlaß′ dies Haus, ich will ein Neues bauen, Ich will für Deinen Putz mich stündlich mühen, Von Dir begeistert soll mein Lied erglühen, Ich kann nicht dichten, ohne Dich zu schauen! - Was ruhelos zu Dir mich hingetrieben, Was ich ersticken wollt′ mit eitlem Lachen, - Nur Deine Nähe konnt′ es klar mir machen: Es ist mein tiefes, wahres, bestes Lieben …

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Illustration zu Ich lausche lange oft in einer Ecke

Interpretation

Das Gedicht "Ich lausche lange oft in einer Ecke" von Ada Christen handelt von einer unerwiderten Liebe und der Sehnsucht des lyrischen Ichs nach der geliebten Person. Das Ich verbringt viel Zeit damit, heimlich nach der Angebeteten zu lauschen und sie zu beobachten, während diese nichts von der Anwesenheit und den Qualen des Liebenden ahnt. Die Geliebte lebt in ihrer eigenen Welt, eingehüllt in weiche Tücher und singt sorglose Lieder, während der Liebende vor Sehnsucht vergeht. Das lyrische Ich verspricht der Geliebten große Dinge, wie Gold zu schaffen, Bücher zu schreiben und ein neues Haus zu bauen. Es will sich für sie aufopfern und stundenlang mühen, um sie zu beeindrucken und zu verwöhnen. Die Liebe des Ichs ist so stark, dass es ohne den Anblick der Geliebten nicht in der Lage ist zu dichten oder kreativ zu sein. Die ganze Energie und Inspiration des Ichs fließt aus dieser unerfüllten Liebe. Am Ende des Gedichts wird klar, dass das Gefühl, das das lyrische Ich so ruhelos zur Geliebten treibt und das es mit eitlem Lachen zu unterdrücken versucht, die tiefe, wahre und beste Liebe ist. Das Ich hat erst durch die Nähe zur Geliebten erkannt, dass es sich um echte Liebe handelt. Das Gedicht beschreibt eindringlich die Qualen unerwiderter Liebe und die Kraft, die diese Liebe entfalten kann, auch wenn sie nicht erwidert wird.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
Ich lausche lange oft in einer Ecke, Du aber ahnest nimmer meine Nähe, Ahn′st nicht die Qualen, die ich mir erwecke.
Aufzählung
Es ist mein tiefes, wahres, bestes Lieben ...
Hyperbel
Ich will für Deinen Putz mich stündlich mühen
Imperativ
O komm′ zu mir, - komm′ wieder, - komme wieder!
Metapher
Ich schaffe Gold - ich denke große Bücher
Paradox
Ich kann nicht dichten, ohne Dich zu schauen!
Rhetorische Frage
Was ruhelos zu Dir mich hingetrieben