Ich kann wohl manchmal singen

Joseph von Eichendorff

1841

Ich kann wohl manchmal singen, Als ob ich fröhlich sei, Doch heimlich Tränen dringen, Da wird das Herz mir frei.

Es lassen Nachtigallen, Spielt draußen Frühlingsluft, Der Sehnsucht Lied erschallen Aus ihres Kerkers Gruft.

Da lauschen alle Herzen, Und alles ist erfreut, Doch keiner fühlt die Schmerzen, Im Lied das tiefe Leid.

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Interpretation

Das Gedicht "Ich kann wohl manchmal singen" von Joseph von Eichendorff thematisiert die innere Zerrissenheit zwischen äußerer Fröhlichkeit und verborgenen Tränen. Der Sprecher kann zwar singen, als ob er glücklich wäre, doch in Wahrheit dringen heimliche Tränen hervor, die sein Herz befreien. Diese innere Spannung zwischen Schein und Sein ist ein zentrales Motiv des Gedichts. Die zweite Strophe verwendet das Bild der Nachtigall, die trotz ihrer Gefangenschaft ein Lied der Sehnsucht erklingen lässt, wenn die Frühlingsluft spielt. Dieses Motiv der gefangenen Nachtigall, die trotz ihrer Umstände ein Lied voller Sehnsucht singt, steht metaphorisch für den Sprecher selbst. Auch er ist gefangen in seiner inneren Zerrissenheit und singt ein Lied, das seine tiefe Sehnsucht und sein Leid ausdrückt. Die letzte Strophe verdeutlicht, dass zwar alle Herzen lauschen und sich am Lied erfreuen, doch keiner die tiefen Schmerzen und das Leid spürt, das im Lied mitschwingt. Das Gedicht vermittelt somit die Einsamkeit des Sprechers, der seine wahren Gefühle nicht offen zeigen kann und nur durch sein Lied einen Ausdruck für seine innere Zerrissenheit findet. Die Schönheit des Liedes täuscht über das tiefe Leid hinweg, das es begleitet.

Schlüsselwörter

lied kann manchmal singen fröhlich heimlich tränen dringen

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Stilmittel

Bildsprache
Spielt draußen Frühlingsluft
Ironie
Ich kann wohl manchmal singen, Als ob ich fröhlich sei
Kontrast
Und alles ist erfreut, Doch keiner fühlt die Schmerzen
Metapher
Aus ihres Kerkers Gruft
Personifikation
Es lassen Nachtigallen