Ich halte ihr die Augen zu
1848Ich halte ihr die Augen zu Und küß sie auf den Mund; Nun läßt sie mich nicht mehr in Ruh, Sie fragt mich um den Grund.
Von Abend spät bis Morgens fruh, Sie fragt zu jeder Stund: Was hältst du mir die Augen zu, Wenn du mir küßt den Mund?
Ich sag ihr nicht, weshalb ichs tu, Weiß selber nicht den Grund. Ich halte ihr die Augen zu Und küß ihr auf den Mund.
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Interpretation
Das Gedicht "Ich halte ihr die Augen zu" von Heinrich Heine handelt von einer geheimnisvollen und intimen Handlung zwischen dem lyrischen Ich und seiner Geliebten. Das wiederholte Schließen der Augen der Frau beim Küssen deutet auf eine tiefe emotionale Verbindung und ein Verlangen nach Intimität hin, das über das Physische hinausgeht. Die ständige Nachfrage der Frau nach dem Grund für diese Handlung zeigt ihr Bedürfnis nach Verständnis und Nähe. Sie möchte die Gedanken und Gefühle des lyrischen Ichs durchdringen, was auf ein starkes Interesse an seiner inneren Welt hindeutet. Die Beharrlichkeit ihrer Fragen von Abend bis Morgen unterstreicht ihre emotionale Beteiligung und ihr Verlangen nach einer tieferen Verbindung. Das lyrische Ich selbst scheint von der Bedeutung seiner Handlung überrascht zu sein und gibt zu, den Grund nicht zu kennen. Diese Unwissenheit könnte auf eine intuitive Handlung hindeuten, die aus einem tiefen, unbewussten Gefühl heraus geschieht. Die Wiederholung der Handlung am Ende des Gedichts, trotz der Unfähigkeit, sie zu erklären, betont die Bedeutung und den unwiderstehlichen Charakter dieser Geste in ihrer Beziehung.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Ich halte ihr die Augen zu
- Binnenreim
- Mund / Grund
- Enjambement
- Ich sag ihr nicht, weshalb ichs tu, / Weiß selber nicht den Grund.
- Parallelismus
- Von Abend spät bis Morgens fruh
- Reimschema
- AABB
- Rhetorische Frage
- Was hältst du mir die Augen zu, Wenn du mir küßt den Mund?
- Wiederholung
- Und küß sie auf den Mund