Ich habe dich so lieb
1928Ich habe dich so lieb! Ich würde dir ohne Bedenken Eine Kachel aus meinem Ofen Schenken.
Ich habe dir nichts getan. Nun ist mir traurig zu Mut. An den Hängen der Eisenbahn Leuchtet der Ginster so gut.
Vorbei - verjährt - Doch nimmer vergessen. Ich reise. Alles, was lange währt, Ist leise.
Die Zeit entstellt Alle Lebewesen. Ein Hund bellt. Er kann nicht lesen. Er kann nicht schreiben. Wir können nicht bleiben.
Ich lache. Die Löcher sind die Hauptsache An einem Sieb.
Ich habe dich so lieb.
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Interpretation
Das Gedicht "Ich habe dich so lieb" von Joachim Ringelnatz handelt von der Vergänglichkeit der Zeit und der Unvermeidlichkeit des Wandels. Der Sprecher drückt seine tiefe Zuneigung aus, indem er bereit ist, eine Kachel aus seinem Ofen zu schenken, was eine symbolische Geste der Hingabe darstellt. Doch trotz dieser starken Gefühle erkennt er an, dass nichts ewig währt und dass die Zeit alle Lebewesen verändert. Im zweiten Teil des Gedichts reflektiert der Sprecher über die Vergänglichkeit des Lebens und die Unfähigkeit, den Lauf der Zeit aufzuhalten. Er vergleicht sich selbst mit einem Hund, der nicht lesen oder schreiben kann, und betont damit die Begrenztheit menschlicher Fähigkeiten im Angesicht der Zeit. Trotzdem behält er einen humorvollen Ton bei und lacht über die "Löcher" im Sieb, was möglicherweise als Metapher für die Unvollkommenheiten und Brüche im Leben dient. Das Gedicht endet mit der Wiederholung der ersten Zeile "Ich habe dich so lieb", was die anhaltende Stärke der Gefühle des Sprechers unterstreicht, trotz der Erkenntnis über die Vergänglichkeit und den Wandel. Es ist ein Gedicht, das die Spannung zwischen tiefer Zuneigung und der Realität des Lebens einfängt und den Leser dazu anregt, über die Bedeutung von Liebe und Zeit nachzudenken.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Leuchtet der Ginster so gut.
- Hyperbel
- Ich würde dir ohne Bedenken Eine Kachel aus meinem Ofen Schenken.
- Kontrast
- Ich habe dir nichts getan. Nun ist mir traurig zu Mut.
- Metapher
- Die Löcher sind die Hauptsache An einem Sieb.
- Parallelismus
- Er kann nicht lesen. Er kann nicht schreiben.
- Personifikation
- Die Zeit entstellt Alle Lebewesen.
- Wiederholung
- Ich habe dich so lieb! ... Ich habe dich so lieb.