Ich hab in heißer Sonnen

Clemens Brentano

1794

Ich hab in heißer Sonnen Mein Denken all gesponnen Zu einem Mäntelein fein Ich habs in Angst gewebet Mein Schifflein hat geschwebet In steter Not und Pein Ich habs mit Tränen erweichet Und hab es still gebleichet In Mond und Sternenschein Ich trug es ohn Verweilen Gar viele, viele Meilen - Da war mein Tuch zu klein Ich wollt sie mit bedecken, Da zuckt an allen Ecken Heraus das Flammelein

Und drüben strömen in Wellen Viel tausend tausend Ellen Rot Tuch dahin im Wind Und trunken von den Farben Schaut sie, und ich muß darben Hab nichts fürs ärmste Kind

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Illustration zu Ich hab in heißer Sonnen

Interpretation

Das Gedicht "Ich hab in heißer Sonnen" von Clemens Brentano erzählt von einem Menschen, der in einer Zeit voller Hitze und Anstrengung all seine Gedanken und Kräfte in ein kleines Tuch gewoben hat. Dieses Tuch ist ein Symbol für seine Liebe und Fürsorge, die er mit viel Angst, Tränen und Mühe geschaffen hat. Es ist ein Werk der Liebe, das er in Mond- und Sternenschein still gebleicht hat, ein Werk, das er über viele Meilen getragen hat, ohne jemals zu ruhen. Doch als er versucht, andere mit diesem Tuch zu bedecken, wird ihm bewusst, dass es zu klein ist. An allen Ecken zuckt ein Flammelein heraus, ein Zeichen dafür, dass seine Liebe und Fürsorge nicht ausreichen, um alle zu schützen und zu wärmen. Dies ist ein schmerzlicher Moment der Erkenntnis, dass seine Anstrengungen nicht ausreichen, um alle zu versorgen. Drüben strömen in Wellen viele tausend Ellen rotes Tuch im Wind, ein Symbol für die Fülle und den Überfluss, den andere haben. Doch der Dichter selbst muss darben, er hat nichts für das ärmste Kind. Dies ist ein Ausdruck tiefer Trauer und Verzweiflung über die Ungerechtigkeit und die Unfähigkeit, allen zu helfen. Das Gedicht endet mit einem Gefühl der Hilflosigkeit und des Schmerzes über die eigene Begrenztheit.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Hyperbel
Gar viele, viele Meilen
Kontrast
Und drüben strömen in Wellen / Viel tausend tausend Ellen / Rot Tuch dahin im Wind / Und trunken von den Farben / Schaut sie, und ich muß darben / Hab nichts fürs ärmste Kind
Metapher
Ich hab in heißer Sonnen / Mein Denken all gesponnen / Zu einem Mäntelein fein
Personifikation
Mein Schifflein hat geschwebet
Symbolik
Da zuckt an allen Ecken / Heraus das Flammelein