Ich hab am lichten Tag geschlafen...
unknownIch hab am lichten Tag geschlafen. Es weint das Kind. Es blökt das Rind. In meinem Weidenbaume trafen Sich Leiseklug und Lockenlind.
Kaum weiß ich noch, warum ich lebe. Vereist mein Blick. Mein Blut verstürmt. Wenn ich die Brust im Atem hebe, Sind Felsen über sie getürmt.
Die Schwester auch am Nebelhafen, Sie bietet süße Brust dem Wind. Vor klingender Taverne trafen Sie Leiseklug und Lockenlind.
Den Sternen, die am Himmel pochten, Warf Köcher ich und Becher hin. Ich bin mit Mohn und Tod verflochten Und weiß nicht mehr, ob ich noch bin.
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Interpretation
Das Gedicht "Ich hab am lichten Tag geschlafen" von Klabund ist ein lyrisches Werk, das von einer tiefen Melancholie und existenziellen Verzweiflung geprägt ist. Der Sprecher schildert eine Welt, die von Trauer und Verlust erfüllt ist. Das Weinen eines Kindes und das Blöken eines Rindes verdeutlichen die allgegenwärtige Traurigkeit. Die Begegnung von Leiseklug und Lockenlind im Weidenbaum symbolisiert möglicherweise eine vergangene Liebe oder einen verlorenen Traum. Im zweiten Teil des Gedichts drückt der Sprecher seine eigene Verzweiflung und Desorientierung aus. Er weiß nicht mehr, warum er lebt, und sein Blick ist "vereist". Sein Blut tobt in ihm, und er fühlt sich von unsichtbaren Felsen erdrückt. Die Schwester am Nebelhafen und die Begegnung von Leiseklug und Lockenlind vor einer Taverne verstärken das Gefühl von Einsamkeit und Verlust. Im letzten Teil des Gedichts wirft der Sprecher seine Pfeile und Becher in den Himmel, was möglicherweise eine Ablehnung der Welt oder eine Resignation gegenüber dem Schicksal symbolisiert. Er fühlt sich mit Mohn (einem Symbol für Schlaf und Tod) und dem Tod selbst verwoben und ist sich nicht mehr sicher, ob er noch existiert. Das Gedicht endet mit einer tiefen existenziellen Krise und einem Gefühl der Auflösung.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Leiseklug und Lockenlind
- Hyperbel
- Felsen über sie getürmt
- Kontrast
- Ich hab am lichten Tag geschlafen
- Metapher
- Es weint das Kind. Es blökt das Rind.
- Personifikation
- Den Sternen, die am Himmel pochten
- Symbolik
- mit Mohn und Tod verflochten