Ich forschte bleichen eifers

Stefan George

1933

Ich forschte bleichen eifers nach dem horte Nach strofen drinnen tiefste kümmerniss Und dinge rollten dumpf und ungewiss - Da trat ein nackter engel durch die pforte:

Entgegen trug er dem versenkten sinn Der reichsten blumen last und nicht geringer Als mandelblüten waren seine finger Und rosen rosen waren um sein kinn.

Auf seinem haupte keine krone ragte Und seine stimme fast der meinen glich: Das schöne leben sendet mich an dich Als boten: während er dies lächelnd sagte

Entfielen ihm die lilien und mimosen - Und als ich sie zu heben mich gebückt Da kniet auch ER - ich badete beglückt Mein ganzes antlitz in den frischen rosen.

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Illustration zu Ich forschte bleichen eifers

Interpretation

Das Gedicht "Ich forschte bleichen eifers" von Stefan George beschreibt eine Reise des lyrischen Ichs durch tiefe Traurigkeit und Verzweiflung, symbolisiert durch den "Hort" der Kümmernis. In diesem Zustand der Dunkelheit und Unsicherheit erscheint ein nackter Engel als Boten des Lebens und der Schönheit. Der Engel trägt reiche Blumen, die Reinheit und Unschuld symbolisieren, und seine Finger sind wie Mandelblüten, während Rosen sein Kinn umgeben. Seine Stimme ist vertraut, fast wie die des lyrischen Ichs selbst, was eine tiefe Verbindung zwischen dem Engel und dem Menschen suggeriert. Der Engel bringt eine Botschaft des Lebens, die durch sein Lächeln und die Blumen, die er trägt, übermittelt wird. Als die Lilien und Mimosen aus seinen Händen fallen, beugt sich das lyrische Ich, um sie aufzuheben, und in diesem Moment kniet auch der Engel nieder. Diese Geste der Demut und Nähe führt zu einem intimen Moment, in dem das lyrische Ich sein ganzes Antlitz in den frischen Rosen badet. Dieser Akt symbolisiert eine Reinigung und Erneuerung, eine Verschmelzung von Mensch und Engel in einem Moment der Schönheit und des Glücks. Das Gedicht endet mit einer tiefen spirituellen und emotionalen Erfüllung, die durch die Begegnung mit dem Engel und die Berührung der Rosen erreicht wird. Die Rosen, die zuvor das Kinn des Engels umgaben, werden nun zum Medium der Reinigung und des Glücks für das lyrische Ich. Diese Transformation von Traurigkeit zu Freude und von Verzweiflung zu Hoffnung ist das zentrale Thema des Gedichts, das die Macht der Schönheit und des Lebens betont, selbst die tiefsten Kümmernisse zu überwinden.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Bildsprache
Nach strofen drinnen tiefste kümmerniss
Metapher
Das schöne Leben sendet mich an dich
Personifikation
Entfielen ihm die Lilien und Mimosen
Symbolik
Ich badete beglückt mein ganzes Antlitz in den frischen Rosen
Vergleich
Als mandelblüten waren seine Finger