Ich denke dein
1795Ich denke dein, wenn sich im Blütenregen Der Frühling malt, Und wenn des Sommers mildgereifter Segen In Ähren strahlt.
Ich denke dein, wenn sich das Weltmeer tönend Gen Himmel hebt, Und vor der Wogen Wut das Ufer stöhnend Zurücke bebt.
Ich denke dein, wenn sich der Abend rötend Im Hain verliert, Und Philomelens Klage leise flötend Die Seele rührt.
Beim trüben Lampenschein in bittren Leiden Gedacht ich dein; Die bange Seele flehte nah am Scheiden: Gedenke mein!
Ich denke dein, bis wehende Zypressen Mein Grab umziehen; Und auch in Tempes Hain soll unvergessen Dein Name blühn.
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Interpretation
Das Gedicht "Ich denke dein" von Friederike Sophie Christiane Brun ist eine Liebeserklärung, die die Tiefe und Beständigkeit der Gefühle des lyrischen Ichs zum Ausdruck bringt. Die Wiederholung des Satzes "Ich denke dein" am Anfang jedes Quartetts unterstreicht die Kontinuität und Unveränderlichkeit der Liebe, die in verschiedenen Situationen und zu verschiedenen Zeiten erlebt wird. Die Naturbilder, die im Gedicht verwendet werden, symbolisieren die verschiedenen Facetten der Liebe. Der Frühling und der Sommer stehen für die Schönheit und den Reichtum der Liebe, während das aufgewühlte Meer die Leidenschaft und die Stürme der Gefühle darstellt. Der Abend und die Klage der Philomele (Nachtigall) evozieren eine melancholische Stimmung, die an die Vergänglichkeit und die Traurigkeit erinnert, die oft mit der Liebe einhergehen. Im vierten Quartett wird die Liebe in einer Situation der Not und des Leidens beschworen. Das "bittere Leiden" und die "bange Seele" deuten auf eine tiefe emotionale Krise hin, in der das lyrische Ich um die Erinnerung und die Treue des Geliebten bittet. Das letzte Quartett erweitert die zeitliche Dimension der Liebe bis über den Tod hinaus, indem es von der ewigen Erinnerung an den Geliebten spricht, die selbst den Tod überdauert. Der Name des Geliebten soll in "Tempes Hain" (ein mythologischer Ort) weiterleben, was die Unsterblichkeit der Liebe und der Erinnerung symbolisiert.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- [Mildgereifter Segen Philomelens Klage leise flötend]
- Enjambement
- [Ich denke dein, wenn sich im Blütenregen Der Frühling malt, Und wenn des Sommers mildgereifter Segen In Ähren strahlt. Ich denke dein, wenn sich das Weltmeer tönend Gen Himmel hebt, Und vor der Wogen Wut das Ufer stöhnend Zurücke bebt. Ich denke dein, wenn sich der Abend rötend Im Hain verliert, Und Philomelens Klage leise flötend Die Seele rührt. Beim trüben Lampenschein in bittren Leiden Gedacht ich dein; Die bange Seele flehte nah am Scheiden: Gedenke mein! Ich denke dein, bis wehende Zypressen Mein Grab umziehen; Und auch in Tempes Hain soll unvergessen Dein Name blühn.]
- Hyperbel
- Ich denke dein, bis wehende Zypressen Mein Grab umziehen
- Metapher
- [Im Blütenregen malt der Frühling Des Sommers mildgereifter Segen strahlt in Ähren]
- Parallelismus
- Ich denke dein, wenn... / Ich denke dein, wenn... / Ich denke dein, wenn... / Ich denke dein, bis...
- Personifikation
- [Die bange Seele flehte Das Ufer stöhnend Zurücke bebt]
- Symbolik
- [Blütenregen - Frühling Ähren - Sommer Weltmeer - Weite und Tiefe der Liebe Philomelens Klage - Trauer und Sehnsucht Trüber Lampenschein - Leiden Zypressen - Tod Tempes Hain - ewige Erinnerung]