Ich denke dein (2)

Friederike Sophie Christiane Brun

1765

Ich denke dein, wenn sich im Blütenregen Der Frühling malt; Und wenn des Sommers mild gereifter Seegen In Ähren strahlt.

Ich denke dein, wenn sich das Weltmeer tönend Gen Himmel hebt, Und vor der Wogen Wuth das Ufer stöhnend Zurücke bebt.

Dein denk′ ich, wenn der junge Tag sich golden Der See enthebt, An neugebornen zarten Blumendolden Der Frühthau schwebt.

Ich denke dein, wenn sich der Abend röthend Im Hain verliert, Und Philomelens Klage leise flötend Die Seele rührt.

Dein denk′ ich, wenn im bunten Blätterkranze Der Herbst uns grüßt; Dein, wenn, in seines Schneegewandes Glanze, Das Jahr sich schließt.

Am Hainquell, ach! im leichten Erlenschatten Winkt mir dein Bild! Schnell ist der Wald, schnell sind die Blumenmatten Mit Glanz erfüllt.

Beim trüben Lampenschein, in bittern Leiden, Gedacht′ ich dein! Die bange Seele flehte nah′ am Scheiden: »Gedenke mein!«

Ich denke dein, bis wehende Zypressen Mein Grab umziehn; Und selbst in Lethe′s Strom soll unvergessen Dein Name blühn!

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Illustration zu Ich denke dein (2)

Interpretation

Das Gedicht "Ich denke dein" von Friederike Sophie Christiane Brun ist ein lyrisches Werk, das die unendliche und beständige Natur der Liebe und Erinnerung zum Ausdruck bringt. Die Autorin verwendet die Jahreszeiten und die Natur als Metaphern, um ihre Gedanken und Gefühle für die geliebte Person zu beschreiben. Sie denkt an diese Person in jedem Moment und jeder Situation, sei es im Frühling, Sommer, Herbst oder Winter. Die Natur wird als Spiegelbild ihrer Gefühle verwendet, wobei die Schönheit und die Veränderungen der Jahreszeiten ihre unerschütterliche Liebe und ihr ständiges Gedenken an die geliebte Person symbolisieren. Die Autorin verwendet auch dramatische und emotionale Szenen, wie das tosende Meer und die Klage der Philomela, um die Tiefe und Intensität ihrer Gefühle zu verdeutlichen. Diese Naturbilder dienen als Hintergrund für ihre Gedanken und Erinnerungen an die geliebte Person. Die Verwendung von Naturmetaphern ermöglicht es der Autorin, ihre Gefühle auf eine poetische und symbolische Weise auszudrücken, die über die bloße Beschreibung von Emotionen hinausgeht. Das Gedicht endet mit einer kraftvollen Aussage über die Beständigkeit der Liebe und des Gedenkens. Selbst im Tod und im Jenseits, symbolisiert durch das Grab und den Fluss Lethe, der in der griechischen Mythologie das Vergessen bedeutet, bleibt die Erinnerung an die geliebte Person unvergessen. Der Name der geliebten Person wird wie eine Blume inmitten des Vergessens erblühen, was die unsterbliche Natur der Liebe und des Gedenkens unterstreicht. Dieses Gedicht ist ein eindringliches Zeugnis der Kraft der Liebe und der Erinnerung, die selbst den Tod überdauern.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Beim trüben Lampenschein, in bittern Leiden
Hyperbel
Und selbst in Lethe's Strom soll unvergessen Dein Name blühn!
Metapher
Der Frühling malt; Und wenn des Sommers mild gereifter Seegen In Ähren strahlt.
Personifikation
Und vor der Wogen Wuth das Ufer stöhnend Zurücke bebt.
Vergleich
Ich denke dein, wenn sich der Abend röthend Im Hain verliert.