Ich bleibe
1860Durch die Nacht mit dumpfem Rauschen Treibt vorbei des Stromes Wut; Und mit träumerischem Lauschen Starr ich auf die dunkle Flut. Schattenhafte Kähne wallen Mir vorbei, in Nacht hinein; Liebe Stimmen, sie verhallen, Und die Strömung tönt allein.
Ödes Schweigen, banges Dunkel! Schmerzlich irrt mein Blick empor. Da erblüht mit Trostgefunkel Ein Gestirn dem Wolkenflor. “Sieh, ich bleibe!” winkt sein Auge - Und die bange Seele zieht Auf zu diesem treuen Auge, Wie ein Kind zur Mutter flieht.
Wenn dereinst des Todes Grauen Dieses Herz umspült und bricht, Lass noch einmal dich erschauen Über Wassern, süßes Licht! Bis den letzten Liebesfunken, Der aus meinem Auge scheint, Deine Blicke aufgetrunken Und dem Sternenglanz vereint.
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Interpretation
Das Gedicht "Ich bleibe" von Bruno Wille beschreibt eine Reise durch die Nacht, in der der Sprecher auf einen Fluss blickt und von Einsamkeit und Dunkelheit umgeben ist. Die Nacht wird durch das "dumpfe Rauschen" des Flusses charakterisiert, und der Sprecher lauscht träumerisch auf die "dunkle Flut". Schattenhafte Kähne ziehen vorbei, und die liebevollen Stimmen verhallen, während nur das Tönen der Strömung übrig bleibt. In der zweiten Strophe wechselt die Stimmung, als ein Stern am Himmel erscheint und Trost spendet. Der Sprecher fühlt sich von dem "treuen Auge" des Sterns angesprochen, der ihm zuflüstert: "Siehe, ich bleibe!" Die ängstliche Seele wird von diesem Anblick aufgerüttelt und zieht sich zu dem Stern hinauf, ähnlich wie ein Kind zur Mutter flieht. Der Stern wird zu einem Symbol der Beständigkeit und des Trostes in der Dunkelheit. In der dritten Strophe reflektiert der Sprecher über den Tod und bittet darum, dass das Licht des Sterns ihm noch einmal erscheint, wenn das Herz von der Furcht des Todes umspült und gebrochen wird. Der Sprecher sehnt sich danach, das süße Licht über den Wassern zu sehen, bevor er stirbt. Er wünscht sich, dass der letzte Funke der Liebe, der aus seinen Augen scheint, von den Blicken des Sterns aufgetrunken und mit dem Sternenglanz vereint wird. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Botschaft der Hoffnung und des Trostes in Zeiten der Dunkelheit und Einsamkeit. Der Stern symbolisiert die Beständigkeit und den Trost, den man in schwierigen Zeiten finden kann. Das Gedicht ermutigt den Leser, auch in den dunkelsten Momenten des Lebens nach einem Licht der Hoffnung zu suchen und sich daran festzuhalten.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Tönt allein
- Kontrast
- Ödes Schweigen, banges Dunkel! / Da erblüht mit Trostgefunkel
- Metapher
- Des Stromes Wut
- Personifikation
- Und die bange Seele zieht
- Symbolik
- Gestirn dem Wolkenflor
- Vergleich
- Wie ein Kind zur Mutter flieht