Ich bin wie Leib dem Geist

August von Platen

1831

Ich bin wie Leib dem Geist, wie Geist dem Leibe dir; Ich bin wie Weib dem Mann, wie Mann dem Weibe dir, Wen darfst du lieben sonst, da von der Lippe weg Mit ew′gen Küssen ich den Tod vertreibe dir? Ich bin dir Rosenduft, dir Nachtigallgesang, Ich bin der Sonne Pfeil, des Mondes Scheibe dir; Was willst du noch? Was blickt die Sehnsucht noch umher? Wirf alles, alles hin: du weißt, ich bleibe dir!

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Interpretation

Das Gedicht "Ich bin wie Leib dem Geist" von August von Platen handelt von einer tiefen, fast symbiotischen Liebe, in der der Sprecher und sein Geliebter untrennbar miteinander verbunden sind. Die Metaphern von Leib und Geist sowie Mann und Weib verdeutlichen die vollkommene Ergänzung und Abhängigkeit der beiden Liebenden voneinander. Der Sprecher betont, dass er ohne seinen Geliebten nicht existieren kann, genauso wie der Leib ohne den Geist oder das Weib ohne den Mann. In den folgenden Zeilen wird die Intensität der Liebe noch deutlicher. Der Sprecher behauptet, den Tod von den Lippen seines Geliebten fernzuhalten, indem er sie mit ewigen Küssen bedeckt. Er vergleicht sich selbst mit Rosenduft, Nachtigallgesang, Sonnenpfeil und Mondscheibe - allesamt Symbole für Schönheit, Leidenschaft und Romantik. Der Sprecher stellt die Frage, was sein Geliebter noch begehren könnte, da er ihm bereits alles gibt, was er braucht. Im letzten Vers fordert der Sprecher seinen Geliebten auf, alles andere aufzugeben und sich voll und ganz auf ihre Liebe zu konzentrieren. Er versichert ihm, dass er immer für ihn da sein wird, egal was passiert. Das Gedicht endet mit einem starken Bekenntnis zur Beständigkeit und Beständigkeit ihrer Liebe, die alle Hindernisse überwinden kann.

Schlüsselwörter

geist mann leib leibe weib weibe darfst lieben

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Stilmittel

Imperativ
[Wirf alles, alles hin: du weißt, ich bleibe dir!]
Metapher
[Ich bin dir Rosenduft Ich bin der Sonne Pfeil, des Mondes Scheibe dir]
Personifikation
[Mit ew′gen Küssen ich den Tod vertreibe dir]
Rhetorische Frage
[Wen darfst du lieben sonst, da von der Lippe weg Mit ew′gen Küssen ich den Tod vertreibe dir? Was willst du noch? Was blickt die Sehnsucht noch umher?]
Simile
[Ich bin wie Leib dem Geist, wie Geist dem Leibe dir Ich bin wie Weib dem Mann, wie Mann dem Weibe dir]