Ich bin Papa
1943Mitunter schwitzen muß der Schreiner, Er stößt auf manchen harten Ast. So geht es auch, wenn unsereiner Sich mit der Grübelei befaßt.
Zum Glück hat meine gute Frau, Die liebevoll an alles denkt, Mir einen kleinen Fritz geschenkt, Denn oft erfreut mich dieser Knabe Durch seinen kindlichen Radau, Wenn ich so meine Schrullen habe.
Heut mittag gab es wieder mal Mein Leibgericht, gespickten Aal, Und wie ich dann zur Körperpflege, Die Weste auf, die Augen zu, Die Hände friedlich auf dem Magen Im Polsterstuhl mich niederlege, Oh weh, ein Schwarm von dummen Fragen Verscheucht die heißersehnte Ruh.
Ach, wird es mir denn niemals klar, Wo ich gewesen, eh ich war? Schwamm ich, verkrümelt in Atome, Gedankenlos im Wirbelstrome, Bis ich am Ende mich verdichtet Zu einer denkenden Person? Und jetzt, was hab ich ausgerichtet? Was war der Mühe karger Lohn? Das Geld ist rar, die Kurse sinken, Dagegen steigt der Preis der Schinken. Fast jeden Morgen klagt die Mutter: Ach Herr, wie teuer ist die Butter! Ja, selbst der Vater wird gerührt, Wenn er sein kleines Brötchen schmiert. Und doch, trotz dieser Seelenleiden, Will keiner gern von hinnen scheiden. Wer weiß?
Ei sieh, wer kommt denn da? Hallo, der Fritz! Nun wird es heiter, Nun machen wir den Eselreiter. Flugs stell ich mich auf alle Viere, Indem ich auf und ab marschiere, Und rufe kräftig mein Ih - ah! Vor Wähligkeit und Übermut.
Ih - ah! Die Welt ist nicht so übel. Wozu das närrische Gegrübel? Ich bin Papa, und damit gut.
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Interpretation
Das Gedicht "Ich bin Papa" von Wilhelm Busch ist eine humorvolle und tiefgründige Betrachtung über das Leben, die Verantwortung und die einfachen Freuden, die es zu bieten hat. Der Erzähler, offensichtlich ein nachdenklicher und etwas mürrischer Mann, beginnt mit der Metapher des Schreiners, der auf harte Stellen im Holz stößt, was seine eigenen geistigen Anstrengungen und Sorgen symbolisiert. Trotz der Schwierigkeiten im Leben, wie finanziellen Sorgen und existenziellen Fragen, findet er Trost und Freude in der Anwesenheit seines Sohnes Fritz, der ihm eine willkommene Ablenkung von seinen Sorgen bietet. Die Mitte des Gedichts offenbart die alltäglichen Probleme des Erzählers, wie die steigenden Preise für Lebensmittel und die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit. Diese Sorgen führen ihn zu tiefgründigen Fragen über den Sinn des Lebens und seine eigene Existenz. Doch gerade als er in diesen Gedanken versinkt, wird er von seinem Sohn unterbrochen, der ihm einen Ausweg aus seiner Grübelei bietet. Die Interaktion mit seinem Kind bringt ihn zurück in die Realität und erinnert ihn an die einfachen Freuden des Lebens. Das Gedicht endet mit einer optimistischen und lebensbejahenden Botschaft. Der Erzähler entscheidet sich, seine Rolle als Vater zu umarmen und die Sorgen des Lebens für einen Moment beiseite zu legen. Indem er mit seinem Sohn spielt und sich in kindliche Freude hineinversetzt, findet er eine Antwort auf seine existenziellen Fragen. Die Zeile "Ich bin Papa, und damit gut" fasst die Essenz des Gedichts zusammen: Trotz aller Unsicherheiten und Sorgen im Leben gibt es Momente der Freude und Erfüllung, die den Sinn des Daseins ausmachen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Ih - ah! Die Welt ist nicht so übel.
- Hyperbel
- Ein Schwarm von dummen Fragen Verscheucht die heißersehnte Ruh.
- Ironie
- Und doch, trotz dieser Seelenleiden, Will keiner gern von hinnen scheiden.
- Metapher
- Nun machen wir den Eselreiter.
- Personifikation
- Wenn ich so meine Schrullen habe.
- Rhetorische Frage
- Ach, wird es mir denn niemals klar, Wo ich gewesen, eh ich war?