Hymnus an die Dummheit

Peter Hille

1916

Dummheit, erhabene Göttin, Unsere Patronin, Die du auf goldenem Throne, Auf niedriger Stirne die blitzende Krone, Stumpfsinnig erhabenes Lächeln Auf breitem, nichtssagendem Antlitz - Königlich sitzest: Siehe herab mit der Milde Miene Auf deine treuen, dir nach- Dummenden Kinder, Verjage aus dem Land Die Dichter und Künstler und Denker, Unsere Verächter, Vernichte die Bücher, - Traumbuch und Rechenknecht, Briefsteller und Lacherbsen verschonend, Und wir bringen ein Eselchen dir, Dein Lieblingstier, Dein mildes, sanftes, ohrenaufsteigendes Lieblingstier Eine goldene Krippe dafür Und ein purpurnes Laken von Disteln.

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Illustration zu Hymnus an die Dummheit

Interpretation

Das Gedicht "Hymnus an die Dummheit" von Peter Hille ist eine satirische Hommage an die Dummheit als göttliche Macht. Der Autor personifiziert die Dummheit als erhabene Göttin, die auf einem goldenen Thron sitzt und eine blitzende Krone auf ihrer niedrigen Stirn trägt. Mit einem stumpfsinnig erhabenen Lächeln auf ihrem breiten, nichtssagenden Antlitz herrscht sie über ihre treuen Anhänger, die ihr nachdummenden Kinder. In einer zweiten Strophe bittet der Dichter die Göttin Dummheit, herabzuschauen und ihre milde Miene auf ihre treuen Anhänger zu richten. Er fordert sie auf, die Dichter, Künstler und Denker, die die Dummheit verachten, aus dem Land zu verjagen und die Bücher zu vernichten. Nur die Briefsteller und Lacherbsen sollen verschont bleiben, die als Symbole für die banaleren Formen der Dummheit stehen. Abschließend bringt der Dichter der Göttin Dummheit ein Eselchen als Opfergabe dar, ihr Lieblingstier. Er verspricht, ihr eine goldene Krippe und ein purpurnes Laken von Disteln zu schenken. Die absurde Mischung aus wertvollen Materialien wie Gold und Purpur mit den nutzlosen Disteln unterstreicht die satirische Intention des Gedichts. Hille kritisiert damit die Verbreitung und Anbetung der Dummheit in der Gesellschaft und die Verachtung von Bildung, Kunst und geistiger Kultur.

Schlüsselwörter

lieblingstier dummheit erhabene göttin patronin goldenem throne niedriger

Wortwolke

Wortwolke zu Hymnus an die Dummheit

Stilmittel

Alliteration
mildes, sanftes, ohrenaufsteigendes
Anrufung
Dummheit, erhabene Göttin, unsere Patronin
Apostrophe
Siehe herab mit der Milde Miene
Bildsprache
auf goldenem Throne
Hyperbel
Königlich sitzest
Ironie
Eine goldene Krippe dafür Und ein purpurnes Laken von Disteln
Kontrast
Verjage aus dem Land Die Dichter und Künstler und Denker
Metapher
auf niedriger Stirne die blitzende Krone
Personifikation
Dummheit, erhabene Göttin
Symbolik
ein Eselchen dir, Dein Lieblingstier