Hymnus an den Mond

Martin Greif

1915

Auch Du bist wirkendes Licht, Prangender Mond, Und Deinen Nächten gebietest Du Froh als unbestrittener Herrscher.

Wauu Du voll heraufsteigst Ueber die Kuppen des Gebirgs Hoch in den kühlenden Aether, Schwindet die Nacht vor Dir

Und Deine Strahlen reichen Mächtigen Umfangs hinaus Ueber alles Gesilde.

Fühlsames Leben durchschauerst Du; Trunken schwärmet die Seele Einsam dem Wandrer. Vögel erweckst Du aus wiegendem Schlaf, Freudenreich singt die Nachtigall Aus den silbernen Zweigen.

Pflanzen hauchen stärker in Dir, Ja selbst Felsen und todte Steine Fühlen Dein athmendes Weben, Leise zu schwingen dann Scheint ihr starres Inn′re Und wir erkennen erstaunt, Daß edlerer Abkunft Ihrer Ordnungen Sinn.

Tempel erbaust Du aus ihnen Welche machtvoll bestehen, Während Du das Scepter führst, Herrlicher nächtlicher Gott, Bis sie des Morgens Größere Helle Wieder entführet.

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Illustration zu Hymnus an den Mond

Interpretation

Das Gedicht "Hymnus an den Mond" von Martin Greif preist den Mond als leuchtendes und herrschendes Wesen der Nacht. Der Dichter beschreibt den Mond als mächtigen Herrscher, dessen Licht die Dunkelheit vertreibt und dessen Strahlen weit in die Welt hinausreichen. Der Mond wird als beseelter, atmender Gott dargestellt, der Leben und Natur berührt und sogar in Felsen und Steinen eine Art Erweckung hervorruft. Greif verleiht dem Mond eine fast göttliche Qualität, indem er seine Auswirkungen auf die Umwelt und die Geschöpfe beschreibt. Der Mond erweckt Vögel aus dem Schlaf, inspiriert die Seele des Wanderers und lässt sogar Pflanzen und Felsen auf seine Anwesenheit reagieren. Diese Darstellung verleiht dem Mond eine mystische und spirituelle Bedeutung, die über seine physische Erscheinung hinausgeht. Das Gedicht endet mit der Erkenntnis, dass die vom Mond geschaffenen "Tempel" aus Felsen und Steinen nur während seiner Herrschaft bestehen, um dann vom Morgenlicht wieder entrückt zu werden. Dies deutet auf die vergängliche Natur des Mondlichts und seiner Wirkung hin, im Gegensatz zur Beständigkeit des Tageslichts. Greif vermittelt so ein tiefes Verständnis für die Zyklen der Natur und die vergängliche Schönheit der Nacht.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Vögel erweckst Du aus wiegendem Schlaf
Anapher
Und Deinen Nächten gebietest Du / Froh als unbestrittener Herrscher.
Hyperbel
Mächtigen Umfangs hinaus
Metapher
Herrlicher nächtlicher Gott
Personifikation
Während Du das Scepter führst
Synästhesie
Trunken schwärmet die Seele