Hymne
1800Wenige wissen Das Geheimnis der Liebe, Fühlen Unersättlichkeit Und ewigen Durst. Des Abendmahls Göttliche Bedeutung Ist den irdischen Sinnen Rätsel; Aber wer jemals Von heißen, geliebten Lippen Atem des Lebens sog, Wem heilige Glut In zitternde Wellen das Herz schmolz, Wem das Auge aufging, Daß er des Himmels Unergründliche Tiefe maß, Wird essen von seinem Leibe Und trinken von seinem Blute Ewiglich. Wer hat des irdischen Leibes Hohen Sinn erraten? Wer kann sagen, Daß er das Blut versteht? Einst ist alles Leib, Ein Leib, In himmlischem Blute Schwimmt das selige Paar. - O! daß das Weltmeer Schon errötete, Und in duftiges Fleisch Aufquölle der Fels! Nie endet das süße Mahl, Nie sättigt die Liebe sich. Nicht innig, nicht eigen genug Kann sie haben den Geliebten. Von immer zärteren Lippen Verwandelt wird das Genossene Inniglicher und näher. Heißere Wollust Durchbebt die Seele. Durstiger und hungriger Wird das Herz: Und so währet der Liebe Genuß Von Ewigkeit zu Ewigkeit. Hätten die Nüchternen Einmal gekostet, Alles verließen sie, Und setzten sich zu uns An den Tisch der Sehnsucht, Der nie leer wird. Sie erkennten der Liebe Unendliche Fülle, Und priesen die Nahrung Von Leib und Blut.
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Interpretation
Das Gedicht "Hymne" von Novalis ist eine tiefgründige Erkundung der Liebe und ihrer transzendenten Natur. Es beginnt mit der Feststellung, dass nur wenige Menschen das wahre Geheimnis der Liebe verstehen, und beschreibt die ewige Unersättlichkeit und den unstillbaren Durst, der mit dieser Erfahrung einhergeht. Die Analogie zum Abendmahl deutet auf eine heilige und mystische Dimension der Liebe hin, die über das rein Körperliche hinausgeht. Im weiteren Verlauf des Gedichts vertieft Novalis die Idee der Liebe als einer transformierenden Kraft. Er beschreibt, wie die Liebe den Geliebten in immer innigere und nähere Formen verwandelt, wobei die Leidenschaft und das Verlangen stetig zunehmen. Das Herz wird durstiger und hungriger, was die unendliche Natur der Liebe unterstreicht, die von Ewigkeit zu Ewigkeit währt. Die Liebe wird als ein Festmahl dargestellt, das nie endet und nie satt macht. Das Gedicht schließt mit einer Einladung an die "Nüchternen", die Liebe selbst zu erfahren. Es suggeriert, dass diejenigen, die einmal die "Speise" der Liebe gekostet haben, alles andere aufgeben und sich an den Tisch der Sehnsucht setzen würden. Hier wird die Liebe als eine unendliche Quelle der Nahrung und Erfüllung dargestellt, die gepriesen und gefeiert werden sollte.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Heißere Wollust / Durchbebt die Seele
- Hyperbel
- Und in duftiges Fleisch / Aufquölle der Fels
- Metapher
- Die Nahrung / Von Leib und Blut
- Paradox
- Und so währet der Liebe Genuß / Von Ewigkeit zu Ewigkeit
- Symbol
- Tisch der Sehnsucht