Hyazinthen
1843Fern hallt Musik; doch hier ist stille Nacht, Mit Schlummerduft anhauchen mich die Pflanzen: Ich habe immer, immer dein gedacht; Ich möchte schlafen, aber du musst tanzen.
Es hört nicht auf, es rast ohn Unterlass; Die Kerzen brennen und die Geigen schreien, Es teilen und es schließen sich die Reihen, Und alle glühen; aber du bist blass.
Und du musst tanzen; fremde Arme schmiegen Sich an dein Herz; o leide nicht Gewalt! Ich seh’ dein weißes Kleid vorüberfliegen Und deine leichte, zärtliche Gestalt.–
Und süßer strömend quillt der Duft der Nacht Und träumerischer aus dem Kelch der Pflanzen. Ich habe immer, immer dein gedacht; Ich möchte schlafen, aber du musst tanzen.
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Interpretation
Das Gedicht "Hyazinthen" von Theodor Storm beschreibt den inneren Konflikt zwischen dem Wunsch nach Ruhe und dem Zwang zur Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Die ruhige, duftende Nacht steht symbolisch für die Sehnsucht des lyrischen Ichs nach innerem Frieden und Einsamkeit. Die wiederholte Zeile "Ich habe immer, immer dein gedacht" deutet auf eine beständige, möglicherweise unerfüllte Liebe oder Sehnsucht hin. Die zweite Strophe kontrastiert die äußere Welt des Tanzes und der Musik mit der inneren Welt des lyrischen Ichs. Die "Kerzen" und "Geigen" symbolisieren die Lebendigkeit und das Treiben der Gesellschaft, während die Blässe der Geliebten auf ihre Abwesenheit oder ihre Unfähigkeit, am Leben teilzunehmen, hinweisen könnte. Die Wiederholung von "du musst tanzen" unterstreicht den Zwang, dem sich die Geliebte ausgesetzt fühlt, und die Hilflosigkeit des lyrischen Ichs, sie davor zu bewahren. In der dritten Strophe wird die Trennung zwischen dem lyrischen Ich und der Geliebten deutlicher. Die "fremden Arme" und der Zwang zum Tanzen verdeutlichen die äußeren Einflüsse, die die Beziehung stören. Die abschließende Wiederholung der ersten Strophe betont die Beständigkeit der Gedanken und der Sehnsucht des lyrischen Ichs, während die Geliebte weiterhin im gesellschaftlichen Leben gefangen ist. Die Hyazinthen als Symbol für die Nacht und den Duft verstärken die Stimmung von Sehnsucht und Melancholie im Gedicht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildlichkeit
- Es teilen und es schließen sich die Reihen
- Gegenüberstellung
- Und alle glühen; aber du bist blass
- Hyperbel
- Ich habe immer, immer dein gedacht
- Kontrast
- Ich möchte schlafen, aber du musst tanzen
- Metapher
- süßer strömend quillt der Duft der Nacht
- Personifikation
- Die Kerzen brennen und die Geigen schreien
- Rhythmus
- Es hört nicht auf, es rast ohn Unterlass
- Symbolik
- Hyazinthen
- Wiederholung
- Ich habe immer, immer dein gedacht