Hund und Katze
1832Miezel, eine schlaue Katze, Molly, ein begabter Hund, Wohnhaft an demselben Platze, Haßten sich aus Herzensgrund.
Schon der Ausdruck ihrer Mienen, Bei gesträubter Haarfrisur, Zeigt es deutlich: Zwischen ihnen Ist von Liebe keine Spur.
Doch wenn Miezel in dem Baume, Wo sie meistens hin entwich, Friedlich dasitzt, wie im Traume, Dann ist Molly außer sich.
Beide lebten in der Scheune, Die gefüllt mit frischem Heu. Alle beide hatten Kleine, Molly zwei und Miezel drei.
Einst zur Jagd ging Miezel wieder Auf das Feld. Da geht es bumm. Der Herr Förster schoß sie nieder. Ihre Lebenszeit ist um.
Oh, wie jämmerlich miauen Die drei Kinderchen daheim. Molly eilt, sie zu beschauen, Und ihr Herz geht aus dem Leim.
Und sie trägt sie kurz entschlossen Zu der eignen Lagerstatt, Wo sie nunmehr fünf Genossen An der Brust zu Gaste hat.
Mensch mit traurigem Gesichte, Sprich nicht nur von Leid und Streit. Selbst in Brehms Naturgeschichte Findet sich Barmherzigkeit.
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Interpretation
Das Gedicht "Hund und Katze" von Wilhelm Busch handelt von der unerwarteten Freundschaft zwischen einer Katze und einem Hund. Anfangs werden die beiden Tiere als erbitterte Feinde dargestellt, die sich gegenseitig hassen. Doch als die Katze stirbt, zeigt der Hund Mitgefühl und nimmt ihre Jungen bei sich auf. Das Gedicht verdeutlicht, dass selbst in der Tierwelt Mitgefühl und Nächstenliebe existieren können, trotz vorheriger Feindschaft. Es fordert den Menschen auf, nicht nur von Leid und Streit zu sprechen, sondern auch die Barmherzigkeit in der Natur wahrzunehmen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Mensch mit traurigem Gesichte
- Hyperbel
- Und sie trägt sie kurz entschlossen Zu der eignen Lagerstatt
- Kontrast
- Selbst in Brehms Naturgeschichte Findet sich Barmherzigkeit
- Metapher
- Alle beide hatten Kleine, Molly zwei und Miezel drei
- Personifikation
- Molly eilt, sie zu beschauen, Und ihr Herz geht aus dem Leim