Hoffnung ins Geleite
1760Mit der Freude zieht der Schmerz Traulich durch die Zeiten. Schwere Stürme, milde Weste, Bange Sorgen, frohe Feste Wandeln sich zur Seiten.
Und wo eine Träne fällt, Blüht auch eine Rose. Schon gemischt, noch eh′ wir′s bitten Ist für Thronen und für Hütten Schmerz und Lust im Lose.
War′s nicht so im alten Jahr? Wird′s im neuen enden? Sonnen wallen auf und nieder, Wolken gehn und kommen wieder Und kein Wunsch wird′s wenden.
Gebe denn, der über uns Wägt mit rechter Waage, Jedem Sinn für seine Freuden Jedem Mut für seine Leiden, In die neuen Tage.
Jedern auf des Lebens Pfad Einen Freund zur Seite, Ein zufriedenes Gemüte Und zu stiller Herzensgüte Hoffnung ins Geleite!
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Interpretation
Das Gedicht "Hoffnung ins Geleite" von Johann Peter Hebel reflektiert über das Wechselspiel von Freude und Leid im Leben. Hebel betont, dass diese beiden Aspekte untrennbar miteinander verbunden sind und sich wie ein Paar durch die Zeit bewegen. Er verwendet Bilder wie Stürme und milde Weste, Sorgen und Feste, um diese Dualität zu verdeutlichen. Die Metapher der Träne und der Rose unterstreicht, dass selbst in traurigen Momenten Schönheit und Hoffnung vorhanden sind. In der zweiten Strophe erweitert Hebel diese Idee und betont, dass das Gemisch aus Schmerz und Lust universell ist, unabhängig von sozialem Status. Er fragt rhetorisch, ob sich dies im vergangenen Jahr so verhalten hat und ob es im neuen Jahr anders sein wird. Die Bilder von Sonnen und Wolken symbolisieren die natürlichen Zyklen des Lebens, die unabhängig von menschlichen Wünschen weitergehen. Das Gedicht schließt mit einem Gebet, in dem Hebel um göttliche Unterstützung bittet. Er wünscht sich, dass jeder Mensch die Fähigkeit hat, seine Freuden zu erkennen und Mut für seine Leiden zu finden. Zudem hofft er auf Freundschaft, Zufriedenheit und stille Herzensgüte, begleitet von Hoffnung, während man den Lebensweg beschreitet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Schmerz und Lust im Lose.
- Anapher
- Jedem Sinn für seine Freuden / Jedem Mut für seine Leiden
- Bildsprache
- Gebe denn, der über uns / Wägt mit rechter Waage
- Gegenüberstellung
- Schwere Stürme, milde Weste, / Bange Sorgen, frohe Feste
- Metapher
- Jedern auf des Lebens Pfad / Einen Freund zur Seite
- Parallelismus
- Mit der Freude zieht der Schmerz / Traulich durch die Zeiten.
- Personifikation
- Sonnen wallen auf und nieder, / Wolken gehn und kommen wieder
- Rhetorische Frage
- War's nicht so im alten Jahr? / Wird's im neuen enden?
- Symbolik
- Ein zufriedenes Gemüte / Und zu stiller Herzensgüte / Hoffnung ins Geleite!