Hoffnung

Charlotte von Ahlefeld

1808

Auf der Wallfahrt durch dies dunkle Leben Leuchten uns nur selten milde Sterne; Eingehüllt in trübe Wolken schweben Sie dem Blicke unerreichbar ferne.

Wenn der Hoffnung goldnes Licht nicht wäre, Das des Kummers öde Nacht durchbricht, So ertrüge dieses Daseyns Schwere Der gepresste, bange Busen nicht.

Weiche nimmer aus dem matten Herzen, Das des Trostes Balsam oft entbehrt, Und umringt von nahmenlosen Schmerzen, In vergebner Sehnsucht sich verzehrt.

Ach so vieles hat es schon verlohren - Einsam fühlt′ sich′s - traurig und allein, Und der Tanz der jugendlichen Horen Bringt ihm Regen nur statt Sonnenschein.

Doch bleibst Du ihm treu zur Seite stehen, Du, o Hoffnung! holdes Götterkind, Dann vernimmt es in der Stürme Wehen Nur des Lenzes milden Abendwind.

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Illustration zu Hoffnung

Interpretation

Das Gedicht "Hoffnung" von Charlotte von Ahlefeld thematisiert die Bedeutung der Hoffnung im Leben. Die Autorin vergleicht das Leben mit einer dunklen Pilgerreise, auf der nur selten milde Sterne, also Hoffnungsschimmer, zu sehen sind. Die Hoffnung wird als goldenes Licht beschrieben, das die dunkle Nacht des Kummers durchbricht und das schwere Dasein erträglich macht. Ahlefeld betont die Wichtigkeit der Hoffnung für das menschliche Herz, das oft Trost und Balsam entbehrt. Sie beschreibt das Herz als von namenlosen Schmerzen umgeben und von vergeblicher Sehnsucht verzehrt. Die Hoffnung wird aufgefordert, dem matten Herzen nicht zu weichen, da sie ihm in schwierigen Zeiten beisteht. Das Gedicht endet mit der Zusicherung, dass die Hoffnung, als holdes Götterkind, dem Menschen treu zur Seite steht. Selbst in stürmischen Zeiten vernimmt das Herz nur den milden Abendwind des Frühlings, was symbolisch für die tröstende und aufbauende Kraft der Hoffnung steht. Ahlefeld verdeutlicht somit, dass die Hoffnung ein unverzichtbarer Begleiter im Leben ist, der in dunklen Stunden Licht und Trost spendet.

Schlüsselwörter

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Wortwolke zu Hoffnung

Stilmittel

Metapher
Nur des Lenzes milden Abendwind
Personifikation
Eingehüllt in trübe Wolken schweben Sie dem Blicke unerreichbar ferne