Höre
1914Ich raube in den Nächten die Rosen deines Mundes, dass keine Weibin Trinken findet.
Die dich umarmt, stiehlt mir von meinen Schauern, die ich um deine Glieder malte.
Ich bin dein Wegrand. Die dich streift, stürzt ab.
Fühlst du mein Lebtum überall wie ferner Saum?
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Interpretation
Das Gedicht "Höre" von Else Lasker-Schüler ist ein lyrisches Werk, das die Intensität und die Komplexität einer Liebesbeziehung zum Ausdruck bringt. Die Sprecherin beschreibt ihre tiefe emotionale Verbindung zu ihrem Geliebten, die von einer fast besitzergreifenden Leidenschaft geprägt ist. Die Metaphern und Bilder, die sie verwendet, sind stark und manchmal auch gewalttätig, was die Intensität ihrer Gefühle unterstreicht. Die erste Strophe spricht von der Nacht und dem Mund des Geliebten, der mit Rosen verglichen wird. Die Sprecherin "raubt" diese Rosen, was darauf hindeutet, dass sie den Geliebten für sich allein haben möchte und keine andere Frau in seiner Nähe sein soll. Die zweite Strophe beschreibt die körperliche Nähe und das Gefühl der Verletzlichkeit, das die Sprecherin empfindet, wenn jemand ihren Geliebten berührt. Sie vergleicht ihre Gefühle mit "Schauern", die sie um die Glieder des Geliebten "gemalt" hat, was auf eine tiefe emotionale und körperliche Verbindung hinweist. Die dritte Strophe verwendet das Bild des "Wegrandes", um die Position der Sprecherin in der Beziehung zu beschreiben. Sie ist am Rande des Lebens des Geliebten, und wer den Geliebten berührt, "stürzt ab". Dies deutet darauf hin, dass die Sprecherin den Geliebten als etwas Kostbares und Zerbrechliches ansieht, das geschützt werden muss. Die letzte Strophe fragt, ob der Geliebte ihre Liebe und Sehnsucht überall spürt, wie einen "fernen Saum". Dies könnte als eine Bitte um Anerkennung und Gegenseitigkeit interpretiert werden, da die Sprecherin sich nach einer tieferen Verbindung sehnt. Insgesamt ist das Gedicht eine leidenschaftliche und manchmal auch beunruhigende Darstellung einer Liebesbeziehung, die von Intensität, Besitzanspruch und Verletzlichkeit geprägt ist. Die Sprecherin sehnt sich nach einer tiefen Verbindung mit ihrem Geliebten, ist aber auch von Eifersucht und Angst vor dem Verlust geplagt.
Schlüsselwörter
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Stilmittel
- Metapher
- Fühlst du mein Lebtum überall wie ferner Saum?