Höchstes Leid
1862Hart ist′s an dem Grab zu steh′n Derer, die du heiß geliebet, Hart auch, wie am Fels der Zeit Traum um Traum in Nichts zerstiebet.
Bittrer als des Todes Raub, Und was kalt die Zeit entwendet, Ist′s, wenn du dein best Gefühl An Unwürdige verschwendet.
Wie ein Bettler stehst du da, Der sein Alles hingegeben, Dem nichts blieb von seinem Schatz, Als das nackte, arme Leben.
Wie, von roher Hand gestürzt, Liegt ein Götterbild im Staube, Also ist ein Trümmerhauf′ Deines Herzens schönster Glaube!
Neue Rosen bringt die Zeit, Frisches Grün das Grab umkleidet, Aber öd′ bleibt dieser Platz Und kein Thau drauf niedergleitet!
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Interpretation
Das Gedicht "Höchstes Leid" von Luise Büchner handelt von der tiefen Trauer und dem Schmerz, den man empfindet, wenn man einen geliebten Menschen verliert oder wenn man sein Vertrauen und seine Gefühle in eine unwürdige Person investiert hat. Die Autorin beschreibt die Härte des Abschieds und die Vergänglichkeit der Zeit, die Träume und Hoffnungen zunichte macht. Sie vergleicht den Verlust mit dem Raub des Todes und der Kälte der Zeit, die uns das Liebste nimmt. In den folgenden Strophen verwendet Luise Büchner eindringliche Metaphern, um den Schmerz des Verlustes zu verdeutlichen. Sie vergleicht den Verlassenen mit einem Bettler, der alles hingegeben hat und nur noch das nackte Leben besitzt. Der Glaube an die Schönheit des Herzens wird als zerschmettertes Götterbild dargestellt, das im Staub liegt. Die Zeit bringt zwar neue Rosen und frisches Grün um das Grab, aber der Platz des Verlustes bleibt öde und trostlos, ohne Tau, der darauf niederkommt. Insgesamt vermittelt das Gedicht die tiefe Trauer und den Schmerz des Verlustes, sei es durch den Tod eines geliebten Menschen oder durch die Enttäuschung in einer unwürdigen Person. Luise Büchner verwendet eindringliche Bilder und Metaphern, um die Härte und die Verzweiflung des Verlassenen auszudrücken. Das Gedicht regt zum Nachdenken über die Vergänglichkeit des Lebens und die Bedeutung von Vertrauen und Glauben an.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Traum um Traum
- Bildlichkeit
- Traum um Traum in Nichts zerstiebet
- Hyperbel
- Deines Herzens schönster Glaube
- Kontrast
- Frisches Grün das Grab umkleidet, Aber öd' bleibt dieser Platz
- Metapher
- Wie ein Bettler stehst du da
- Personifikation
- des Todes Raub
- Symbolik
- Neue Rosen bringt die Zeit
- Vergleich
- Hart auch, wie am Fels der Zeit