Hochzeitgedicht

Sibylla Schwarz

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Auff der Jungfraw Braut Nahmen Elisabeth von Sterens Versezet Ohe / last uns ins Bette.

Was gilt eß / Jungfraw Braut? Was gilt eß nuhn? Ich wette / daß ewer Herze spricht: Oh lasset uns ins Bette. Gebt nuhr dem Herzen nach / so ist die Wette mein / obzwahr noch itzt der Mund dazuh spricht lauter Nein. Gebt nuhr dem Herzen nach / was will der Mund doch machen? die Augen sprechen selbst / sie können nicht mehr wachen. Gebt nuhr dem Herzen nach! seht! Hymen ist bereit / er hat das Fackelliecht / und spricht / eß seye Zeit. Geht / gebt dem Herzen nach / wir wündschen euch darneben ein langes / glückliches / und auch ein fruchtbar Leben! Geht / gebt nuhr guhte Nacht / und heilt die Wunden zu / enthaltet euch nicht mehr der angenemen Ruh. Gebt mir nuhr willig nach / gewonnen ist die Wette: Ihr seid doch gahr zu kranck / drumb gehet nuhr zu Bette.

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Illustration zu Hochzeitgedicht

Interpretation

Das Gedicht "Hochzeitgedicht" von Sibylla Schwarz ist eine humorvolle und zugleich freche Aufforderung an das Brautpaar, sich ihrer Hochzeitsnacht hinzugeben. Der Titel verrät bereits den Anlass des Gedichts, nämlich eine Hochzeit, und der Name der Braut, Elisabeth von Sterens, wird erwähnt. In den ersten beiden Strophen wird die Braut aufgefordert, ihrem Herzen zu folgen und sich der Intimität mit ihrem Ehemann hinzugeben. Der Sprecher wettet, dass ihr Herz danach verlangt, und ermutigt sie, nicht länger zu zögern. Obwohl der Mund noch "Nein" sagt, sollen die Augen und das Herz den Weg weisen. Die dritte Strophe verstärkt den Drang, indem sie auf den Gott Hymen verweist, der das Fackellicht trägt und verkündet, dass es Zeit ist. Der Sprecher ermutigt das Paar, sich ihrer Liebe hinzugeben und ein langes, glückliches und fruchtbares Leben zu führen. Die letzte Strophe beendet das Gedicht mit einem spielerischen Sieg der Wette und der Aufforderung, sich der angenehmen Ruhe hinzugeben und ins Bett zu gehen.

Schlüsselwörter

gebt nuhr herzen bette wette spricht jungfraw braut

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Stilmittel

Anapher
Gebt nuhr dem Herzen nach
Metapher
er hat das Fackelliecht
Personifikation
daß ewer Herze spricht
Rhetorische Frage
Was gilt eß / Jungfraw Braut? Was gilt eß nuhn?
Wiederholung
Geht / gebt nuhr guhte Nacht