Hochzeit-Fragen

Christian Weise

1914

Was ist die Jungferschafft? Ein Quintgen Hudeley, Das zehnmahl schwerer ist, als sonst ein Centner Bley. Doch was ist eine Braut? Ein Ding, das gerne küst, Und weder eine Frau noch eine Jungfer ist. Was ist ein Bräutigam? Ein Mann und nicht ein Mann, Dieweil er sich noch nicht der Mannheit rühmen kan. Was mag das Jawort seyn? Es ist das erste Spiel, Wann man das Leder nun mit Ernst verkauffen will. Sagt, was Verlöbniß ist? Ein angestelltes Fest, Davor man in der Kirch am letzten bitten läst. Was ist das Auffgebot? Es ist ein später Fleiß, Darinn erzehlet wird, was sonst ein jeder weiß. Was ist das Hochzeit-Fest? Es ist ein warmes Bad, Darinnen Wirth und Gast was auszuschwietzen hat. Was mag die Trauung seyn? Die Zeit, da man verehrt, Was einem sonst mit Recht und Ehren zugehört. Was ist ein Junggesell? Ein Affe, der das Spiel, Dem Herren Bräutigam flugs abstudiren will. Was ist ein Jungfergen? Es ist ein Gläßgen Wein, Das niemand trincken darff, wann alle durstig seyn. Was ist die erste Nacht? Die Hochzeit in der That, Da manche mehr gehofft, als sie zu kosten hat. Was ist die ander Nacht? Ein süsser Ubertruß, Da man die alte Schuld von gestern zahlen muß. Was ist die dritte Nacht? Es ist die Rennebahn, Da man auffhören muß, wann mans am besten kan. Was ist die Jungefrau? Es ist ein loser Sack, Der in der Compagnie auch garstig reden mag. Was ist der Ehstand selbst? Es ist ein Vogel-Hauß, Die draussen wollen nein, die drinne wollen rauß. Was ist das erste Kind? ein Schmertz, wenns bald bekleibt. Ein Schimpf, wenns zeitlich kommt, ein Hohn, wenns aussen bleibt. Was ist das andre Kind? es ist ein guter Rath Vor Leute, welche man gern zu Gevattern hat. Was ist das dritte Kind? ein ungebetner Gast, Des Vatters Geld-verderb, der Mutter Uberlast. Was ist das vierdte Kind? es ist ein gutes Ziel, Nach diesen sage man, zuviel, zuviel, zuviel. Was ist das fünffte Kind? mit diesen heist es wol, Ich esse was mir schmeckt, und leide was ich sol. Was sind die Söhnigen? Ein Volck das nichts erwirbt, Und da des Beutels Krafft, als an der Schwindsucht, stirbt. Was sind die Töchtergen? die kosten wenig Geld, Biß alle Pestilentz auff ihre Hochzeit fällt. Was ist die beste Lust? Wann man nicht viel begehrt, Und wenn das Wenige fein gut und lange währt.

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Illustration zu Hochzeit-Fragen

Interpretation

Das Gedicht "Hochzeit-Fragen" von Christian Weise ist eine satirische Betrachtung der Institution Ehe und ihrer damit verbundenen Ereignisse. Durch eine Reihe von Fragen und Antworten werden verschiedene Aspekte der Ehe und des Familienlebens auf humorvolle und oft kritische Weise beleuchtet. Weise verwendet dabei häufig Metaphern und Vergleiche, um seine Ansichten zu verdeutlichen. Die ersten Strophen befassen sich mit den Vorbereitungen und dem Ablauf einer Hochzeit. Weise beschreibt die Jungfer als eine schwere Last, die Braut als ein Objekt, das geküsst werden möchte, und den Bräutigam als einen Mann, der noch nicht ganz ein Mann ist. Die Ehe selbst wird als ein "warmes Bad" dargestellt, in dem sowohl der Gastgeber als auch die Gäste "ausschwitzen" müssen, was auf die oft anstrengende und stressige Natur von Hochzeitsfeiern anspielt. In den folgenden Strophen geht Weise auf die Ehe selbst und das Familienleben ein. Die Ehe wird als ein "Vogel-Hauß" beschrieben, in dem die Außenstehenden hineinwollen und die Innenstehenden hinauswollen, was auf die oft beengenden und einschränkenden Aspekte der Ehe hindeutet. Die Kinder werden in unterschiedlichen Lichtern dargestellt, von der Belastung des ersten Kindes bis hin zur finanziellen Belastung durch weitere Nachkommen. Weise schließt das Gedicht mit der Aussage, dass die beste Lust darin besteht, nicht viel zu begehren und das Wenige fein und lange währen zu lassen, was als eine Kritik an der materialistischen und oft übermäßigen Natur von Ehe und Familie interpretiert werden kann.

Schlüsselwörter

kind wann sonst mag seyn erste hochzeit nacht

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Stilmittel

Metapher
Wenn man nicht viel begehrt