Hochgesang

Christian Adolph Overbeck

1831

Preis ihm, der alle Dinge Mit unerforschten Kraft erhält! Schweb′ auf, mein Lied, und bringe Das Opfer, das dem Herrn gefällt! Es rauscht von tausend Zungen Seun majestätisch Lob empor; Von Engel anbetungen Bis zu der Waldgesänge Chor.

Entzücken! Es erhebet Ihn auch des Menschen heilig Lied. Die Harfe Sions bebet, Der Andacht helle Wange glüht! Es steigt auf Cherubschwingen Der Adlerkühne Psalm zum Thron, Des Grabsgenossen singen Der Welten Herrn, und seinen Sohn.

Als, noch ein todes Wesen, Der Mensch vor seinem Bilder lag, Noch nicht zur Kraft genesen, Die seinen innern Adel sprach; Als, ihren Herrn empfangend, Die neue Erd′ in Feuer stand, Und, auf der Wolke hangend, Im Schaun der Seraph groß sich fand.

Da floß ein webend Feuer Von Gott in den geformten Thron; Da schlug sein Herz; und freier Hub seine Stirne sich; und schon Begann das erste Beben Des Danks, des Psalmes ersten Laut, Der Blick hinab ins Leben, Der in Entzückungen nur schaut.

Und wenn einst deine Hülle, Du Korn der Schnitterndte bricht, Dann reifet in der Fülle Der Geist, und steigt von Licht zu Licht. In Engelfreuden trunken, Gesättigt mit Unsterblichkeit, Ist er in Gott versunken Und ringt mit der Unendlichkeit.

Das tut der Herr! - wir schweigen; Wir legen unsre Harfe hin! - Hallelujah! wir neigen Uns ihm, der liebte von Beginn. Als Gott die Welten dachte, Da dacht′ er der Geschöpfe Wohl; Als Gott den Menschen machte, Gab er den Wonnekelch ihm voll.

Heil uns! Wir sind erkohren Zu Pflegern in dem Heiligtum! Komm, werde bald gebohren, Tag der Vollendung, unser Ruhm, Der uns zu Priestern weihet! - Die Flamme des Altars am Thron Ist ewig ausgestreuet! Preis unserm Gott, und seinem Sohn!

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Illustration zu Hochgesang

Interpretation

Das Gedicht "Hochgesang" von Christian Adolph Overbeck ist ein Lobpreis Gottes, der die Schöpfung, die Erlösung und die ewige Herrlichkeit preist. Es beginnt mit einem Aufruf, Gott zu preisen, der alle Dinge mit unerforschlicher Kraft erhält, und beschreibt, wie Lobpreis von Engeln bis hin zu den Gesängen des Waldes emporsteigt. Das Gedicht betont die Majestät Gottes und die Freude, die sein Lob in den Herzen der Menschen weckt. In der zweiten Strophe wird die tiefe Verbindung zwischen Mensch und Gott hervorgehoben, wobei die Harfe Zions und die andächtige Hingabe als Ausdruck der Verehrung dargestellt werden. Die Psalmengesänge, getragen von den Flügeln der Cherubim, steigen zum Thron Gottes empor und preisen den Herrn der Welten und seinen Sohn. Diese Strophe verdeutlicht die Einheit von irdischem und himmlischem Lobpreis. Die folgenden Strophen reflektieren die Schöpfung des Menschen und seine Erhebung aus einem todesähnlichen Zustand zu einem lebendigen Wesen, das Gott erkennt und verehrt. Das Gedicht beschreibt, wie das göttliche Feuer in den Menschen eingeht und sein Herz zum Leben erweckt, sodass er in Dankbarkeit und Lobpreis erblüht. Schließlich wird die Hoffnung auf die Auferstehung und die ewige Gemeinschaft mit Gott ausgedrückt, in der der Geist in der Unsterblichkeit und der Liebe Gottes vollendet wird.

Schlüsselwörter

gott herrn thron preis kraft lied menschen harfe

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Stilmittel

Alliteration
Preis unserm Gott, und seinem Sohn!
Hyperbel
In Engelfreuden trunken, Gesättigt mit Unsterblichkeit,
Metapher
Die Flamme des Altars am Thron Ist ewig ausgestreuet!
Personifikation
Da floß ein webend Feuer Von Gott in den geformten Thron;