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Hochgesang

Von

Preis ihm, der alle Dinge
Mit unerforschten Kraft erhält!
Schweb′ auf, mein Lied, und bringe
Das Opfer, das dem Herrn gefällt!
Es rauscht von tausend Zungen
Seun majestätisch Lob empor;
Von Engel anbetungen
Bis zu der Waldgesänge Chor.

Entzücken! Es erhebet
Ihn auch des Menschen heilig Lied.
Die Harfe Sions bebet,
Der Andacht helle Wange glüht!
Es steigt auf Cherubschwingen
Der Adlerkühne Psalm zum Thron,
Des Grabsgenossen singen
Der Welten Herrn, und seinen Sohn.

Als, noch ein todes Wesen,
Der Mensch vor seinem Bilder lag,
Noch nicht zur Kraft genesen,
Die seinen innern Adel sprach;
Als, ihren Herrn empfangend,
Die neue Erd′ in Feuer stand,
Und, auf der Wolke hangend,
Im Schaun der Seraph groß sich fand.

Da floß ein webend Feuer
Von Gott in den geformten Thron;
Da schlug sein Herz; und freier
Hub seine Stirne sich; und schon
Begann das erste Beben
Des Danks, des Psalmes ersten Laut,
Der Blick hinab ins Leben,
Der in Entzückungen nur schaut.

Und wenn einst deine Hülle,
Du Korn der Schnitterndte bricht,
Dann reifet in der Fülle
Der Geist, und steigt von Licht zu Licht.
In Engelfreuden trunken,
Gesättigt mit Unsterblichkeit,
Ist er in Gott versunken
Und ringt mit der Unendlichkeit.

Das tut der Herr! – wir schweigen;
Wir legen unsre Harfe hin! –
Hallelujah! wir neigen
Uns ihm, der liebte von Beginn.
Als Gott die Welten dachte,
Da dacht′ er der Geschöpfe Wohl;
Als Gott den Menschen machte,
Gab er den Wonnekelch ihm voll.

Heil uns! Wir sind erkohren
Zu Pflegern in dem Heiligtum!
Komm, werde bald gebohren,
Tag der Vollendung, unser Ruhm,
Der uns zu Priestern weihet! –
Die Flamme des Altars am Thron
Ist ewig ausgestreuet!
Preis unserm Gott, und seinem Sohn!

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Hochgesang von Christian Adolph Overbeck

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Hochgesang“ von Christian Adolph Overbeck ist eine hymnische Lobpreisung Gottes, die die gesamte Schöpfung, von Engeln bis hin zu den Menschen, in ihren Lobgesang einschließt. Es beschreibt die Erhabenheit Gottes, die Erschaffung der Welt und des Menschen sowie die Hoffnung auf ewiges Leben und die Vollendung im Glauben. Das Gedicht zeichnet sich durch eine feierliche Sprache und eine tief empfundene religiöse Inbrunst aus.

Overbeck beginnt mit der Anrufung Gottes als dem Schöpfer, der durch seine unergründliche Kraft alles erhält. Das lyrische Ich fordert sein eigenes Lied auf, sich zu erheben und Gott zu preisen, wobei die gesamte Schöpfung in den Lobgesang mit einbezogen wird. Die Verse beschreiben, wie sowohl Engel als auch Menschen, von der „Harfe Zions“ bis zum „Adlerkühnen Psalm“, Gott huldigen. Dieser gemeinsame Lobpreis verbindet die irdische und himmlische Sphäre und unterstreicht die Allgegenwart und Erhabenheit Gottes. Das Gedicht verwendet eine Reihe von Bildern, die die Größe Gottes verdeutlichen, wie das „webende Feuer“ von Gott oder die „Cherubschwingen“.

Der Mittelteil des Gedichts widmet sich der Schöpfung des Menschen. Overbeck schildert den Zustand des Menschen vor der Erschaffung, dann als ein „todes Wesen“, bevor er seine innere Würde und seine Beziehung zu Gott erkennt. Die Verse beschreiben, wie Gott den Menschen erschafft und ihm die Fähigkeit zum Lobgesang schenkt. Durch das „erste Beben des Danks“ und den „Blick hinab ins Leben“ wird die Freude über die Schöpfung und die Dankbarkeit des Menschen an Gott zum Ausdruck gebracht. Die Metapher vom „Korn der Schnitterndte“ deutet auf den Tod als Übergang in ein ewiges Leben im Licht Gottes hin.

Das Gedicht endet mit einem Ausblick auf die Ewigkeit und die Vollendung im Glauben. Die letzte Strophe drückt die tiefe Dankbarkeit und das Lob an Gott aus. Die Vorstellung von der Vollendung, dem „Tag der Vollendung“, wird als der Moment dargestellt, in dem die Gläubigen zu „Priestern“ geweiht werden. Die „Flamme des Altars am Thron“ symbolisiert die ewige Gegenwart Gottes und die Unvergänglichkeit der göttlichen Gnade. Die abschließende Zeile „Preis unserm Gott, und seinem Sohn!“ unterstreicht die christliche Ausrichtung des Gedichts und die zentrale Bedeutung der Erlösung durch Jesus Christus.

Insgesamt ist „Hochgesang“ ein Zeugnis tiefen Glaubens und der Verehrung Gottes. Es ist ein Loblied auf die Schöpfung, die Erlösung und die Hoffnung auf ewiges Leben. Die feierliche Sprache, die Verwendung von Bildern und die Einbeziehung der gesamten Schöpfung in den Lobgesang verstärken die Botschaft der Verehrung und des Vertrauens in die göttliche Macht und Liebe. Das Gedicht reflektiert die religiösen Überzeugungen des Dichters und lädt den Leser ein, sich dem Lob Gottes anzuschließen.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.