Historienmaler - Deutscher
1847Religion ist die Seele der Kunst und heil′ge Geschichte, Und die Bibel allein bringt ihr Gedeihen und Heil. Glauben und Frömmigkeit sei′s und stille christliche Demuth, Und der heilige Geist, der dich beseele zum Werk. Fliehe vor allem den Reiz der Sinnlichkeit, denn der Aesthetik Ist sie Sünd′, ist sie Tod, wie der Moral sie es ist. Geist, unsichtbares Wesen, geheimnißvolles und tiefes Hast du zu malen, und nicht irdische niedre Natur. Denn nach ihrem Gesetz, nach ihren lieblichen Formen Schaue du nicht, das genügt einzig dem heidnischen Sinn. Aus der eigenen Tiefe, dem innern Schauen und Fühlen So empfange dein Bild, schaff′ es von innen heraus; Und weil wir unsichtbar Unsichtbares bilden nicht können, Sei′s von der groben Natur wenigstens gänzlich entfernt. Drum mit wenigem Fleisch und himmlischer Magerkeit kleide Deine Heil′gen, so daß fast ihre Seelen man sieht. Alte Meister, sie lehren es dich, mit frommer Verehrung Schaue sie an, und es wird dir das Geheimniß enthüllt. Besser sind ihre Fehler, als selbst die Tugenden Neu′rer, Bete Fiesole an, Guido verachte mir brav. Bleibst du in Armuth auch, und schätzt man hienieden dich wenig, Ist dir die Gnade dafür, jene von oben, gewiß.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Historienmaler - Deutscher" von Wilhelm Friedrich Waiblinger betont die tiefgreifende Verbindung zwischen Religion und Kunst, insbesondere im Kontext der christlichen Malerei. Der Dichter stellt die Bibel als Quelle der Inspiration und des geistigen Wachstums für den Künstler dar und unterstreicht die Notwendigkeit von Glauben, Frömmigkeit und Demut als Grundlage für das kreative Schaffen. Der heilige Geist wird als treibende Kraft für die künstlerische Arbeit angesehen, die den Künstler befähigt, geistige und unsichtbare Wesen zu visualisieren. Waiblinger warnt den Künstler davor, sich von der Sinnlichkeit und den ästhetischen Reizen der irdischen Natur verführen zu lassen, da diese als sündhaft und dem geistigen Streben entgegengesetzt betrachtet werden. Stattdessen soll der Künstler aus der eigenen Tiefe und inneren Empfindung schöpfen, um Bilder zu schaffen, die von innen heraus entstehen. Die Darstellung von Heiligen soll so gestaltet sein, dass ihre Seelen durch eine minimale und himmlische Darstellung des Fleisches zum Ausdruck kommen, was die Unsichtbarkeit des Geistigen betont. Das Gedicht schließt mit einer Empfehlung, die alten Meister zu studieren und zu verehren, da sie durch ihre fromme Herangehensweise die Geheimnisse der geistigen Kunst offenbaren. Waiblinger rät, die Fehler der Alten höher zu schätzen als die Tugenden moderner Künstler, und nennt spezifische Künstler wie Fiesole und Guido als Beispiele für unterschiedliche Herangehensweisen. Trotz möglicher Armut und mangelnder Anerkennung in der irdischen Welt verspricht der Dichter dem Künstler die Gewissheit göttlicher Gnade als Lohn für sein geistiges und künstlerisches Streben.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Religion ist die Seele der Kunst und heilige Geschichte
- Bildsprache
- Und nicht irdische niedre Natur
- Gegensatz
- Besser sind ihre Fehler, als selbst die Tugenden Neu′rer
- Hyperbel
- Ist dir die Gnade dafür, jene von oben, gewiß
- Metapher
- Religion ist die Seele der Kunst
- Personifikation
- Und der heilige Geist, der dich beseele zum Werk
- Symbolik
- Bete Fiesole an, Guido verachte mir brav