Hirtenfeuer

Conrad Ferdinand Meyer

1825

Liessest unter uns dich nieder, Liebe, liebenswerte Frau, Aber heute ziehst du wieder, Wie die Sterne ziehn im Blau.

Siehst den Abendstern du blinken Dort vor seinem Untergang? Einen Augenblick im Sinken Ruht er auf dem Bergeshang.

In der flüchtigen Minute, In dem eilenden Moment Ists, als ob er gastlich ruhte, Wie ein Hirtenfeuer brennt.

Aber nur die kleinste Weile Bringt er auf der Erde zu, Sieh - er zittert ja vor Eile Und verschwindet, Frau, wie du.

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Illustration zu Hirtenfeuer

Interpretation

Das Gedicht "Hirtenfeuer" von Conrad Ferdinand Meyer beschreibt die vergängliche Natur der Liebe und des Lebens. Die Liebe, personifiziert als eine schöne Frau, verlässt den Sprecher, ähnlich wie die Sterne am Himmel ziehen. Der Abendstern wird als Metapher für diese flüchtige Schönheit verwendet, die für einen kurzen Moment auf dem Bergeshang zu ruhen scheint, bevor sie untergeht. In der dritten Strophe wird der Abendstern mit einem Hirtenfeuer verglichen, das für einen Augenblick gastlich brennt. Diese Metapher unterstreicht die vergängliche Natur der Schönheit und der Liebe. Das Hirtenfeuer, das für Wärme und Geborgenheit steht, brennt nur für eine kurze Zeit, bevor es erlischt. Die letzte Strophe betont die Eile und Vergänglichkeit des Moments. Der Abendstern, der nur eine kurze Zeit auf der Erde verweilt, zittert vor Eile und verschwindet. Diese Beschreibung spiegelt die Erfahrung des Sprechers wider, der die Liebe verliert, die ebenso schnell und unerwartet verschwindet wie der Abendstern.

Schlüsselwörter

frau liessest nieder liebe liebenswerte heute ziehst sterne

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Stilmittel

Metapher
Wie ein Hirtenfeuer brennt
Personifikation
Siehst den Abendstern du blinken
Reimschema
A-B-C-B, D-E-F-E, G-H-I-H, J-K-L-K
Rhythmus
Liessest unter uns dich nieder, Liebe, liebenswerte Frau
Symbolik
Hirtenfeuer
Vergleich
Wie die Sterne ziehn im Blau