Himmelstrauer

Nikolaus Lenau

1802

Am Himmelsantlitz wandelt ein Gedanke, Die düstre Wolke dort, so bang, so schwer; Wie auf dem Lager sich der Seelenkranke, Wirft sich der Strauch im Winde hin und her.

Vom Himmel tönt ein schwermutmattes Grollen, Die dunkle Wimper blinzet manches Mal, - So blinzen Augen, wenn sie weinen wollen, - Und aus der Wimper zuckt ein schwacher Strahl. -

Nun schleichen aus dem Moore kühle Schauer Und leise Nebel übers Heideland; Der Himmel ließ, nachsinnend seiner Trauer, Die Sonne lässig fallen aus der Hand.

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Illustration zu Himmelstrauer

Interpretation

Das Gedicht "Himmelstrauer" von Nikolaus Lenau beschreibt eine melancholische und düstere Stimmung am Himmel. Die Wolken werden als schwer und bang beschrieben, ähnlich wie ein kranker Mensch, der auf seinem Bett hin und her wirft. Der Himmel selbst scheint einen schweren Gedanken zu haben, der sich auf sein Antlitz niederschlägt. Die zweite Strophe verstärkt die traurige Atmosphäre. Es ist zu hören, wie ein schwermutmüdes Grollen vom Himmel tönt. Die dunkle Wimper des Himmels blinzelt manchmal, als ob sie weinen möchte. Aus dieser Wimper zuckt ein schwacher Strahl, was auf eine gewisse Hoffnungslosigkeit hindeutet. In der letzten Strophe breiten sich kühle Schauer und leise Nebel über das Heideland aus. Der Himmel lässt nachdenklich seine Trauer zu und lässt die Sonne lässig aus seiner Hand fallen. Dies symbolisiert eine Art Resignation und Verzweiflung, da der Himmel seine Trauer nicht mehr verbergen kann und die Sonne, als Symbol für Licht und Hoffnung, verloren geht.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

Wortwolke zu Himmelstrauer

Stilmittel

Metapher
Die Sonne lässig fallen aus der Hand
Onomatopoesie
Vom Himmel tönt ein schwermutmattes Grollen
Personifikation
Der Himmel ließ, nachsinnend seiner Trauer
Vergleich
So blinzen Augen, wenn sie weinen wollen