Hier sitzt das liebe neue Jahr

Clemens Brentano

1842

Hier sitzt das liebe neue Jahr Auf einem lustgen Feigenbaum, Zwölf Liebschaften ist kleine Schar Die machen ja ein Dutzend kaum. Der Jenner trägt den Morgenstern Bei meinem Liebchen wär ich gern, Der Februar haucht in die Hand Die Liebe kommet zu Verstand, Der März macht sich den Veilchenkranz Bescheiden Lieb gibt Duft und Glanz April mit einem Korb sich ziert Veränderlich wird angeführt Der Mai mit süßen Blumenglocken Wills Liebchen in den Garten locken. Der Juni gibt das Feigenblatt Der Jungfrau wenn sie′s nötig hat, Der Juli zeigt ihr gar die Feigen Wird sie ihm wohl Ohrfeigen reichen? August bringt ihr die Ähre dar, Fruchtbare Lieb ist auch ehrbar September trinket auf ihr Heil, Doch währt der Rausch nur kurze Weil Oktober weint, November friert Weil seine Federn er verliert Dezember betet und ist fromm Daß er etwas beschert bekomm. Und alle treiben solches Spiel Um einen Apfel, der ihr Ziel, Den Eva von der Schlange nahm Und der uns allen schlecht bekam!

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Illustration zu Hier sitzt das liebe neue Jahr

Interpretation

Das Gedicht "Hier sitzt das liebe neue Jahr" von Clemens Brentano ist eine spielerische und metaphorische Darstellung der zwölf Monate des Jahres, personifiziert als zwölf "Liebschaften". Jeder Monat wird mit spezifischen Eigenschaften und Aktivitäten beschrieben, die sowohl natürliche als auch menschliche Aspekte widerspiegeln. Der Januar wird als Träger des Morgensterns dargestellt, der Februar als Hauch der Liebe, der März als Bescheidener mit Veilchenkranz, der April als Veränderlicher mit Korb, der Mai als Lockruf mit Blumenglocken, der Juni als Geber des Feigenblatts, der Juli als Zeiger der Feigen, der August als Bringer der Ähre, der September als Trinker auf ihr Heil, der November als Frierender, der seine Federn verliert, und der Dezember als Betender, der etwas beschert bekommen möchte. Die zwölf Monate werden als eine Gruppe von "Liebschaften" dargestellt, die um einen Apfel konkurrieren, der als Ziel ihrer Bestrebungen dient. Dieser Apfel wird mit der biblischen Geschichte von Eva und der Schlange in Verbindung gebracht, die den Menschen das Wissen um Gut und Böse brachte. Das Gedicht deutet an, dass die menschliche Natur und die damit verbundenen Erfahrungen, wie Liebe, Veränderung, Fruchtbarkeit und sogar Leid, durch die zwölf Monate symbolisiert werden. Die spielerische und manchmal humorvolle Darstellung der Monate unterstreicht die zyklische Natur des Lebens und die menschliche Erfahrung, die sich im Laufe des Jahres wiederholt. Brentanos Gedicht ist eine poetische Reflexion über die Zeit und die menschliche Existenz, die die Leser dazu einlädt, die Schönheit und die Herausforderungen des Lebens zu schätzen. Die Verwendung von Personifikation und Metapher verleiht dem Gedicht eine lebendige und einprägsame Qualität, die die Leser dazu anregt, über die tieferen Bedeutungen und Zusammenhänge des Lebens nachzudenken.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anspielung
Den Eva von der Schlange nahm
Metapher
Und der uns allen schlecht bekam
Personifikation
Und alle treiben solches Spiel