Heut, an Leanders Feste,
War alles, traun! aufs beste!
Denkt, fette Gänse drei;
Beliebte Hasen, zwei;
Ein Dutzend stumme Fische;
Und gar ein wildes Schwein.
„Das alles gab er?“ Nein!
Die saßen nur bei Tische.
Heut, an Leanders Feste…
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Heut, an Leanders Feste…“ von Karl Friedrich Kretschmann ist eine humorvolle und pointenreiche Darstellung einer Erwartung und deren überraschender Auflösung. Es beginnt mit einer scheinbar festlichen Ankündigung, die den Leser auf ein opulentes Mahl vorbereitet, das anlässlich des Leander-Festes stattfinden soll. Die Aufzählung von „fette[n] Gänse[n] drei“, „beliebte[n] Hasen, zwei“, „ein[em] Dutzend stumme[n] Fische[n]“ und „gar ein[em] wildes Schwein“ erzeugt ein Bild von Überfluss und Genuss, was die Erwartung auf ein üppiges Festmahl steigert.
Die Pointe des Gedichts liegt in der unerwarteten Wendung am Ende. Der Leser, der sich bereits in der Vorstellung eines Festmahls wiegt, wird durch die rhetorische Frage „“Das alles gab er?“ Nein!“ abrupt aus dieser Erwartung gerissen. Die Antwort „Die saßen nur bei Tische“ entlarvt die vermeintliche Festlichkeit als Täuschung. Die genannten Tiere sind nicht Teil des Mahls, sondern ebenfalls als Gäste anwesend. Diese unerwartete Auflösung erzeugt einen humorvollen Effekt und macht das Gedicht zu einer Art satirischem Kommentar.
Kretschmann spielt hier mit der Erwartungshaltung des Lesers und dem Kontrast zwischen Schein und Sein. Die Erwartung an das Fest, die durch die Aufzählung der Speisen geweckt wird, wird durch die simple Antwort des Erzählers konterkariert. Die Tiere sind nicht Opfer, sondern Teil des Festes, was die Erwartung an das Fest ins Gegenteil kehrt. Dies offenbart eine spielerische Auseinandersetzung mit dem Thema des Genusses und der Erwartungen, die damit verbunden sind.
Die Kürze des Gedichts und die einfache Sprache tragen zur Wirkung der Pointe bei. Durch die Verwendung von schlichten Worten und klaren Bildern gelingt es Kretschmann, eine überraschende und humorvolle Geschichte zu erzählen, die den Leser zum Schmunzeln bringt und ihn gleichzeitig dazu anregt, die eigenen Erwartungen zu hinterfragen. Die Pointe liegt in der Diskrepanz zwischen der anfänglichen Erwartung und der tatsächlichen Situation, wodurch das Gedicht seine komische Wirkung entfaltet.
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Lizenz und Verwendung
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