Herz
unknownDas seltsame, thörichte, fragende Herz, Im Glücke so bang, so glückselig im Schmerz - Was mag es nur ewig so klopfen? Es klopft, ach! nicht ewig; es bebet, es harrt, Bis das Blut in den Gängen des Lebens erstarrt, Allmählich, von Tropfen zu Tropfen.
Dann schweigt es; dann ruht es; Dämonen der Welt Sie tragen′s ins Haus, das nicht Helios hellt, Das die Schatten Persephone′s schwärzen; Doch die darin pochte, die selige Kraft, (Die Hülse zerstiebte) - sie hat sich entrafft, Und fliegt an das Herz aller Herzen.
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Interpretation
Das Gedicht "Herz" von Ernst von Feuchtersleben beschäftigt sich mit der paradoxen Natur des menschlichen Herzens, das sowohl im Glück als auch im Schmerz eine tiefe emotionale Resonanz findet. Das Herz wird als "seltsam" und "thöricht" bezeichnet, da es unaufhörlich Fragen stellt und in einem Zustand der Unruhe verharrt. Es klopft, bis das Blut in den Lebensadern erstarrt, was den unaufhaltsamen Lauf der Zeit und das unausweichliche Ende des Lebens symbolisiert. Im zweiten Teil des Gedichts wird der Tod des Herzens beschrieben. Nachdem das Herz aufgehört hat zu schlagen, wird es von "Dämonen der Welt" in ein Haus getragen, das nicht vom Licht der Sonne erhellt wird, sondern von den Schatten der Persephone verdunkelt wird. Dies deutet auf die Unterwelt und die Dunkelheit des Todes hin. Doch die "selige Kraft", die einst im Herzen pochte, hat sich "entrafft" und ist zu "dem Herz aller Herzen" geflogen. Dies könnte als eine Art spirituelle Transzendenz interpretiert werden, bei der die Essenz des Herzens, seine Liebe und Leidenschaft, in eine höhere, universelle Form übergeht. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine tiefe Reflexion über die menschliche Existenz, den unaufhaltsamen Lauf der Zeit und die Möglichkeit einer spirituellen Erlösung oder Transformation nach dem Tod. Es ist eine poetische Meditation über die Vergänglichkeit des Lebens und die ewige Natur der menschlichen Seele.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Dämonen der Welt, die darin pochte
- Bildlichkeit
- Das Blut in den Gängen des Lebens erstarrt
- Hyperbel
- Das Herz aller Herzen
- Kontrast
- Im Glücke so bang, so glückselig im Schmerz
- Metapher
- Das Herz als 'thörichtes, fragendes Herz' und als 'selige Kraft'
- Personifikation
- Das Herz 'klopft', 'bebt', 'harrt', 'schweigt', 'ruht'
- Symbolik
- Persephone's Schatten und Helios