Herüber zog eine schwarze Nacht

Georg Ludwig Weerth

unknown

Herüber zog eine schwarze Nacht. Die Föhren rauschten im Sturme; Es hat das Wetter wild zerkracht Die Kirche mit ihrem Turme.

Zerschmettert das Kreuz; zerdrückt den Altar; Zermalmt das Gebein in den Särgen - Die gotischen Bögen wälzen sich Donnernd hinab von den Bergen.

Zum Dorfe stürzt sich Turm und Chor Als wie zu einem Grabe - Da fährt entsetzt vom Lager empor Und spricht zur Mutter der Knabe:

“Ach Mutter, mir träumte ein Traum so schwer, Das hat den Schlaf mir verdorben. Ach Mutter, mir träumte, soeben wär′ Der liebe Herr Gott gestorben.”

Anhören

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Herüber zog eine schwarze Nacht

Interpretation

Das Gedicht "Herüber zog eine schwarze Nacht" von Georg Ludwig Weerth beschreibt eine nächtliche Sturmszene, in der eine Kirche durch das Unwetter schwer beschädigt wird. Die schwarze Nacht und das Rauschen der Föhren im Sturm schaffen eine düstere Atmosphäre. Der Sturm zerkracht die Kirche mit ihrem Turm, zerschmettert das Kreuz, zerdrückt den Altar und zermalmt die Gebeine in den Särgen. Die gotischen Bögen wälzen sich donnernd hinab von den Bergen, und Turm und Chor stürzen sich zum Dorfe wie zu einem Grabe. In der zweiten Strophe erwacht ein Knabe entsetzt aus dem Schlaf und spricht zu seiner Mutter. Er erzählt ihr von einem schweren Traum, der ihm den Schlaf verdorben hat. In diesem Traum träumte er, dass gerade eben der liebe Herr Gott gestorben sei. Der Knabe assoziiert die Zerstörung der Kirche und das Dahinscheiden Gottes mit dem Verlust von Geborgenheit und Halt. Das Gedicht thematisiert den Verlust von Glauben und religiöser Sicherheit in einer von Naturgewalten beherrschten Welt. Die Beschädigung der Kirche symbolisiert den Einsturz einer überkommenen Ordnung. Der Traum des Knaben, in dem Gott stirbt, verdeutlicht die existenzielle Erschütterung, die mit dem Verlust des Glaubens einhergeht. Weerth schildert eindringlich den Einbruch des Zweifels und der Angst in eine bislang gefestigte religiöse Weltanschauung.

Schlüsselwörter

mutter träumte herüber zog schwarze nacht föhren rauschten

Wortwolke

Wortwolke zu Herüber zog eine schwarze Nacht

Stilmittel

Alliteration
Das hat das Wetter wild zerkracht
Bildsprache
Die gotischen Bögen wälzen sich Donnernd hinab von den Bergen
Ironie
Ach Mutter, mir träumte, soeben wär' Der liebe Herr Gott gestorben
Kontrast
Zum Dorfe stürzt sich Turm und Chor Als wie zu einem Grabe
Metapher
Herüber zog eine schwarze Nacht
Personifikation
Die Föhren rauschten im Sturme