Herr, dir sei Lob und Dank...

Clemens Brentano

1809

Herr, dir sei Lob und Dank, Um immer mich zu finden, Willst du mich müd und krank Hier an mein liebes Schmerzensbettlein binden, Ach, Herr! viel tausend Lob und Dank!

Dein Will geschah′ an mir, Gib nur Geduld, dann strafe, Ich bin verschuldet dir, Sei ich dein freies Kind, sei ich dein Sklave, Ach, nur dein Will gescheh′ an mir!

Herr! wie es dir gefällt Willst du aufs Kreuz mich legen, Sei ich ans Kreuz gestellt, Geh kreuzbeladen, Herr, ich dir entgegen, Ach alles, wie es dir gefällt.

Treu hast du mich geliebt, Denn, könnt ich dir entfliehen, Ich hätt dich oft betrübt, So konntest du mich besser dir erziehen, Wie treu, Herr, hast du mich geliebt.

Wie ständ es wohl mit mir? Könnt ich wie andre Kinder Mich tummeln voll Begier. Sind andre blind, ach Herr, ich wär noch blinder, Ach Herr, wie ständ es dann mit mir.

O Herr, wie lieb und gut, Um viele Liebe zu erwecken, Wollt′st du mich junges Blut Als Quell des Mitleids auf das Lager strecken, O Herr, wie bist du lieb und gut.

Du hast mich heimgesucht, Gott Dank, daß ich hier liege, Herr, meiner Leiden Frucht Lehrt mich mein Engel an der Schmerzenswiege. Willkomm, Herr, der mich heimgesucht.

Herr! du bedienst dich mein; Gar manche Trostesworte, Worin der Name dein Das Süßste mir, erklingen hier am Orte, O Freude, du bedienst dich mein!

Wie′s ist, so ist es recht, So schwach, mühselig, schwankend Von Epheu ein Geflecht Vom Kreuz gestützt, zum Licht sehnsüchtig rankend. Herr, wie es ist, ist′s recht!

Herr, wär ich fromm und reich An Demut und an Schmerzen, Ich wucherte sogleich, Gäb allen Trost dir hin und litt von Herzen, Und litt mich fromm und reich.

O himmlische Geduld, Du kannst mit Schmerzen zahlen, Nimm auf mein Leid mit Huld, Ich opfre es vereint mit deinen Qualen. Sei bei mir, himmlische Geduld.

Die lieben Röschen all Und große süße Rosen, Des Freundes Seufzerschall Schneid ich für Dornen mir aus deinen Rosen, Nimm dir dein Röschen ganz und all!

Wie wär ich doch so arm Und könnte nichts verdienen, Wär mir an deinem Arm Nicht Lieb und Schmerz und die Geduld erschienen. Ach, Herr! wie wär ich dann so arm!

Das Röschen, Herr, ist dein; Könnt laufen ich und hüpfen, Manch Rosenblättchen fein Könnt in den Wind hinwehend dir entschlüpfen. Allein jetzt ist das Röschen dein.

Berührt von Gottes Hand Treibt mich ein still Entzücken Am Kreuz empor; zum Pfand Der Liebe will vielleicht mein Herr mich pflücken. Dann blüh ich neu in Jesu Hand.

Dir will das Röschen blühn, Du Haupt voll Blut und Wunden, Wie seh ich dich erglühn, Du Bräutigam, von Dornen ganz umwunden, Dir will das Dornenröschen blühn.

Du hast dein Röschen scharf Mit Dornen rings versehen, Daß keiner nahen darf Als du, der weiß mit Dornen umzugehen, Du hütest, Herr, dein Röschen scharf.

So ließ ein Pilger einst Dich Dornenröschen reden, Wenn du so leiden lernst, Dann kannst du zu den Wunden Jesu beten Für alle und den Pilger ernst!

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Illustration zu Herr, dir sei Lob und Dank...

Interpretation

Das Gedicht "Herr, dir sei Lob und Dank" von Clemens Brentano ist ein tiefgründiges und bewegendes Gebet, das den Glauben und die Hingabe des Dichters an Gott zum Ausdruck bringt. In diesem Werk findet sich eine intensive Auseinandersetzung mit Leid, Geduld und der Liebe Gottes. Das Gedicht beginnt mit einem Lobpreis an den Herrn, wobei der Dichter seine Bereitschaft zum Ausdruck bringt, sich in Schmerz und Krankheit zu begeben, um Gott näher zu sein. Dies zeigt eine tiefe Demut und das Verlangen, Gott auf jede erdenkliche Weise zu dienen. Die wiederholte Aufforderung, dass Gottes Wille geschehe, unterstreicht die Unterwerfung des Dichters unter die göttliche Vorsehung. Im weiteren Verlauf des Gedichts reflektiert Brentano über die Treue Gottes, trotz seiner eigenen Unzulänglichkeiten und Sünden. Er erkennt an, dass Gott ihn durch Leiden erzieht und ihm dadurch näherkommt. Der Vergleich mit anderen Menschen, die "blind" sind, zeigt die Dankbarkeit des Dichters für seine eigene geistige Einsicht, die er als Geschenk Gottes betrachtet. Die Metapher des "Röschens" wird im Gedicht mehrfach verwendet und symbolisiert die Seele des Dichters. Sie wird als etwas Zerbrechliches und Schönes dargestellt, das von Gott behütet und gepflegt wird. Die Dornen stehen für die Leiden und Prüfungen, die notwendig sind, um spirituelles Wachstum zu ermöglichen. Am Ende des Gedichts wird die Seele als etwas dargestellt, das in Jesu Hand erblühen wird, was auf die Hoffnung auf Erlösung und ewiges Leben hindeutet. Insgesamt ist "Herr, dir sei Lob und Dank" ein eindringliches Bekenntnis des Glaubens, das die Themen Leiden, Demut und göttliche Liebe kunstvoll verwebt. Brentano vermittelt eine tiefe Spiritualität und die Überzeugung, dass selbst in Zeiten des Schmerzes und der Not Gott gegenwärtig ist und einen höheren Zweck verfolgt.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Süßste mir, erklingen hier am Orte
Anapher
Herr, dir sei Lob und Dank, ..., Ach, Herr! viel tausend Lob und Dank!
Bildlichkeit
Am Kreuz empor; zum Pfand der Liebe
Hyperbel
Ach, Herr! viel tausend Lob und Dank!
Kontrast
Wie treu, Herr, hast du mich geliebt
Metapher
Für alle und den Pilger ernst
Parallelismus
Sei ich dein freies Kind, sei ich dein Sklave
Personifikation
Wie wär ich doch so arm und könnte nichts verdienen
Rhetorische Frage
Wie ständ es wohl mit mir?