Hermiones Augen

Daniel Caspar von Lohenstein

1695

Ihr Sterne, darf ich euch auch wohl noch Sterne nennen, Wenn jetzt ein Nebel euch umwölket Flamm′ und Licht, Da Hermione doch am himmlischen Gesicht Keinmal nicht minder läßt, als zwei Gestirne, brennen?

Du güldne Sternenburg, du, Himmel, mußt′s bekennen, Dein blaugewölbtes Dach weiß von zwei Sonnen nicht, Da, wenn die Morgenröth′ auf ihrem Mund′ anbricht, Zwei Sonnen ihr allzeit der Stirne Thron umbrennen.

Jedoch du magst dich noch mit hundert Sonnen schmücken, Die in die grüne See keinmal zu Bette gehn, Ich würde doch zur Noth wohl solche Gluth ausstehn;

Mir aber, mir kann nicht vor Hermione′s Blicken Schnee, Schatten, Höhle, Nacht Behülf′ und Aufhalt sein; Denn ihre Liebe dringt durch Eis und Eisen ein.

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Illustration zu Hermiones Augen

Interpretation

Das Gedicht "Hermiones Augen" von Daniel Caspar von Lohenstein ist ein Loblied auf die Schönheit und Strahlkraft von Hermione, die als himmlisches Wesen dargestellt wird. Die Augen Hermiones werden als zwei brennende Gestirne beschrieben, die selbst einen Nebel um sich herum nicht verdunkeln können. Ihre Schönheit übertrifft die der Sterne und Sonnen, und selbst der Himmel muss dies zugeben. Die zweite Strophe vergleicht Hermione mit einer goldenen Sternenburg, deren blaugewölbtes Dach von zwei Sonnen erhellt wird. Die Morgenröte auf ihrem Mund und die beiden Sonnen auf ihrer Stirn betonen ihre überirdische Schönheit und Helligkeit. Die Dichterin ist bereit, selbst die Glut von hundert Sonnen zu ertragen, solange sie Hermione sehen kann. Die letzte Strophe verdeutlicht, dass nichts – weder Schnee, Schatten, Höhle noch Nacht – den Blick auf Hermione verbergen oder aufhalten kann. Ihre Liebe und Schönheit durchdringen selbst Eis und Eisen, was ihre unwiderstehliche Anziehungskraft und die tiefe Verehrung des Dichters für sie unterstreicht.

Schlüsselwörter

zwei sonnen sterne hermione keinmal darf nennen nebel

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Stilmittel

Hyperbel
Denn ihre Liebe dringt durch Eis und Eisen ein
Metapher
Die in die grüne See keinmal zu Bette gehn
Personifikation
Du güldne Sternenburg, du, Himmel, mußt′s bekennen
Vergleich
Da, wenn die Morgenröth′ auf ihrem Mund′ anbricht, / Zwei Sonnen ihr allzeit der Stirne Thron umbrennen