Herbstseele

Georg Trakl

1887

Jägerruf und Blutgebell; Hinter Kreuz und braunem Hügel Blendet sacht der Weiherspiegel, Schreit der Habicht hart und hell.

Über Stoppelfeld und Pfad Banget schon ein schwarzes Schweigen; Reiner Himmel in den Zweigen; Nur der Bach rinnt still und stad.

Bald entgleitet Fisch und Wild. Blaue Seele′ dunkles Wandern Schied uns bald von Lieben, Andern. Abend wechselt Sinn und Bild.

Rechten Lebens Brot und Wein, Gott in deine milden Hande Legt der Mensch das dunkle Ende, Alle Schuld und rote Pein.

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Illustration zu Herbstseele

Interpretation

Das Gedicht "Herbstseele" von Georg Trakl beschreibt eine düstere, melancholische Atmosphäre des Herbstes. Die Natur wird als Zeuge eines Übergangs dargestellt, in dem Leben und Tod, Schönheit und Verfall nebeneinander existieren. Die Bilder von Jägerruf, Blutgebell und dem Spiegel des Weihers vermitteln eine Stimmung der Unruhe und des Wandels. Die Natur ist hier nicht nur Kulisse, sondern ein Spiegel der menschlichen Seele, die sich in diesem Übergang zwischen Leben und Tod befindet. Die zweite Strophe vertieft die Stimmung der Einsamkeit und des Schweigens. Der "schwarze Schweigen" über den Stoppelfeldern und Pfaden symbolisiert die Leere und das Ende des Lebenszyklus. Der reine Himmel in den Zweigen und der still fließende Bach kontrastieren mit der bedrückenden Stimmung und deuten auf eine Sehnsucht nach Ruhe und Frieden hin. Die Natur scheint in diesem Moment der Stille auf etwas Unausweichliches zu warten, das bald eintreten wird. In der letzten Strophe wird die Endlichkeit des Lebens und die Vergänglichkeit aller Dinge thematisiert. Der Verlust von Fisch und Wild, das "dunkle Wandern" der blauen Seele und der Abschied von Liebenden verdeutlichen die Vergänglichkeit und die unausweichliche Trennung. Der Mensch legt am Ende sein "dunkles Ende" in die Hände Gottes, was auf eine Resignation und die Hoffnung auf Erlösung von Schuld und Schmerz hindeutet. Das Gedicht schließt mit einem Bild der Hingabe und der Suche nach Trost in der göttlichen Gnade.

Schlüsselwörter

bald jägerruf blutgebell kreuz braunem hügel blendet sacht

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Stilmittel

Alliteration
Jägerruf und Blutgebell
Bildsprache
Blendet sacht der Weiherspiegel
Kontrast
Reiner Himmel in den Zweigen; Nur der Bach rinnt still und stad
Metapher
Blaue Seele′ dunkles Wandern
Personifikation
Banget schon ein schwarzes Schweigen
Symbolik
Abend wechselt Sinn und Bild
Trennung
Schied uns bald von Lieben, Andern