Herbstmorgen

Peter Hille

1916

Vater, herrlicher Vater, Soll ich meine Seele dir senden, Was soll ich mit ihr, Ich verstehe sie ja nicht mal zu halten, Nicht zu gestalten? Und sie liebt dich so, Und ich treibe sie weit, Weit ab von dir, In Nesseln und in Sumpf, Und ihre scharfen Sinne Wurden dumpf. Wie dieser blaue, Rüstige Morgen, Wie er sich öffnet Deiner starken Sonne Freundlichem Gold, So auf zu dir. Und wie jung und weiß umflimmert Die Herbstblumen bunte Kinderwelt Hier auf dem Schulhof, So sollen munter Meiner Seele Ewige Jugendkräfte Wandeln vor dir.

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Illustration zu Herbstmorgen

Interpretation

Das Gedicht "Herbstmorgen" von Peter Hille handelt von einer tiefen spirituellen Suche und dem Wunsch nach Versöhnung mit dem Göttlichen. Der Sprecher wendet sich an seinen "herrlichen Vater" und drückt seine Unsicherheit und Hilflosigkeit bezüglich seiner Seele aus. Er gesteht, dass er sie nicht versteht und nicht in der Lage ist, sie zu halten oder zu gestalten. Dennoch spürt er die Liebe seiner Seele zu Gott und bedauert, dass er sie von ihm wegtreibt. Die zweite Strophe beschreibt den Prozess der Rückkehr zur göttlichen Quelle. Der Sprecher vergleicht seine Seele mit einem "blauen, rüstigen Morgen", der sich der starken Sonne und ihrem "freundlichem Gold" öffnet. Dies symbolisiert die Bereitschaft, sich Gott hinzugeben und sich von seiner Liebe erfüllen zu lassen. Die Seele soll wie die bunten Herbstblumen auf dem Schulhof in ewiger Jugend vor Gott wandeln, was eine unbeschwerte und lebendige Beziehung zum Göttlichen ausdrückt. Das Gedicht vermittelt eine tiefe Sehnsucht nach spiritueller Erfüllung und die Bereitschaft, sich auf den Weg zu Gott zu machen. Es thematisiert die menschliche Unvollkommenheit und den Wunsch nach Versöhnung mit dem Göttlichen. Die Naturbilder von Morgen, Sonne und Herbstblumen schaffen eine Atmosphäre der Erneuerung und des Aufbruchs. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine hoffnungsvolle und lebensbejahende Botschaft über die Möglichkeit einer tiefen spirituellen Verbindung.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
Vater, herrlicher Vater, Soll ich meine Seele dir senden, Was soll ich mit ihr, Ich verstehe sie ja nicht mal zu halten, Nicht zu gestalten?
Hyperbel
Meiner Seele Ewige Jugendkräfte
Kontrast
Und wie jung und weiß umflimmert Die Herbstblumen bunte Kinderwelt
Metapher
In Nesseln und in Sumpf
Personifikation
Und sie liebt dich so
Vergleich
Wie dieser blaue, Rüstige Morgen, Wie er sich öffnet Deiner starken Sonne Freundlichem Gold