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Herbstlich sonnige Tage

Von

Herbstlich sonnige Tage,
mir beschieden zur Lust,
euch mit leiserem Schlage
grüßt die atmende Brust.

O wie waltet die Stunde
nun in seliger Ruh′!
Jede schmerzende Wunde
schließet leise sich zu.

Nur zu rasten, zu lieben,
still an sich selber zu baun,
fühlt sich die Seele getrieben
und mit Liebe zu schaun.

Jedem leisen Verfärben
lausch ich mit stillem Bemühn,
jedem Wachsen und Sterben,
jedem Welken und Blühn.

Was da webet im Ringe,
was da blüht auf der Flur,
Sinnbild ewiger Dinge
ist′s dem Schauenden nur.

Jede sprossende Pflanze,
die mit Düften sich füllt,
trägt im Kelche das ganze
Weltgeheimnis verhüllt.

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Gedicht: Herbstlich sonnige Tage von Emanuel Geibel

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Herbstlich sonnige Tage“ von Emanuel Geibel ist eine lyrische Reflexion über die Schönheit und Vergänglichkeit des Herbstes und die daraus gewonnene innere Ruhe und Erkenntnis. Es beginnt mit der Freude an den sonnigen Herbsttagen, die als Geschenk der Natur erlebt werden, und der daraus resultierenden friedlichen Stimmung, die die Brust erfasst. Die ersten Verse etablieren einen Zustand des Wohlbehagens und der stillen Freude.

In den darauffolgenden Strophen wird diese innere Ruhe weiter ausgebaut. Die „schmerzende Wunde“ des Lebens scheint sich zu schließen, und die Seele findet ihren Frieden im „Rasten“ und „Lieben“. Der Fokus liegt auf dem Aufbau des Selbst und dem kontemplativen Schauen der Welt. Die Zeilen spiegeln eine tiefe Verbundenheit mit der Natur wider, die nun zum Gegenstand der Aufmerksamkeit wird. Das Gedicht verlagert sich von der rein sinnlichen Wahrnehmung hin zu einer tieferen, spirituellen Ebene.

Die letzten beiden Strophen vertiefen diese spirituelle Dimension. Der Dichter widmet sich dem Beobachten der Veränderungen in der Natur, vom „Verfärben“ der Blätter bis zum „Wachsen und Sterben“. Er sieht darin „Sinnbilder ewiger Dinge“ und das „Weltgeheimnis verhüllt“ in jeder blühenden Pflanze. Die Natur wird hier nicht nur als Quelle ästhetischer Freude, sondern auch als Spiegel der Unendlichkeit und des kosmischen Kreislaufs interpretiert. Das Gedicht schließt mit einer Verklärung der Natur, die das Geheimnis des Lebens in sich trägt.

Geibels Gedicht ist somit eine Ode an die Herbstzeit, die jedoch weit mehr ist als eine bloße Naturbeschreibung. Es ist eine Meditation über die Vergänglichkeit, die Schönheit und die tiefere Bedeutung des Lebens. Durch die ruhige und harmonische Sprache, die einfachen Reime und die klaren Bilder vermittelt das Gedicht ein Gefühl von Frieden, Harmonie und der Erkenntnis, dass in der Natur die großen Geheimnisse des Daseins verborgen sind. Es lädt den Leser ein, die Welt mit offenen Augen zu betrachten und die Botschaft der Vergänglichkeit und Erneuerung anzunehmen.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.