Herbstgefühl
1802Mürrisch braust der Eichenwald, Aller Himmel ist umzogen, Und dem Wandrer, rauh und kalt, Kommt der Herbstwind nachgeflogen.
Wie der Wind zu Herbsteszeit Mordend hinsaust in den Wäldern, Weht mir die Vergangenheit Von des Glückes Stoppelfeldern.
An den Bäumen, welk und matt, Schwebt des Laubes letzte Neige, Niedertaumelt Blatt auf Blatt Und verhüllt die Waldessteige;
Immer dichter fällt es, will mir den Reisepfad verderben, Daß ich lieber halte still, Gleich am Orte hier zu sterben.
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Interpretation
Das Gedicht "Herbstgefühl" von Nikolaus Lenau thematisiert die melancholische Stimmung des Herbstes und die damit verbundenen Gefühle der Vergänglichkeit und des Verlustes. Der erste Teil des Gedichts beschreibt die äußeren Zeichen des Herbstes, wie den rauschenden Eichenwald und den kalten Wind, die eine düstere und ungemütliche Atmosphäre schaffen. Der Wanderer fühlt sich von dieser Stimmung bedrückt und vom Herbstwind verfolgt. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Verbindung zwischen der äußeren Natur und den inneren Gefühlen des lyrischen Ichs hergestellt. Der Wind, der in den Wäldern wie ein Mörder durchfegt, symbolisiert die Vergangenheit, die wie ein Stoppelfeld des Glücks erscheint. Das lyrische Ich wird von Erinnerungen an vergangenes Glück überwältigt, die nun wie ein leeres Feld wirken. Der letzte Teil des Gedichts beschreibt den physischen Verfall der Natur im Herbst. Die Blätter fallen von den Bäumen und bedecken den Boden, was den Reisepfad des Wanderers gefährlich macht. Das lyrische Ich fühlt sich von der Last der Vergangenheit so überwältigt, dass es lieber stillstehen und sterben möchte, anstatt weiterzugehen. Das Gedicht endet mit einem Gefühl der Resignation und der Sehnsucht nach dem Ende des Leidens.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Gleich am Orte hier zu sterben
- Personifikation
- An den Bäumen, welk und matt, schwebt des Laubes letzte Neige