Herbstgefühl

Johann Wolfgang von Goethe

1749

Fetter grüne, du Laub, Am Rebengeländer Hier mein Fenster herauf! Gedrängter quellet, Zwillingsbeeren, und reitet Schneller und glänzend voller! Euch brütet der Mutter Sonne Scheideblick; euch umsäuselt Des holden Himmels Fruchtende Fülle; Euch kühlet des Mondes Freundlicher Zauberhauch, Und euch betauen, ach! Aus diesen Augen Der ewig belebenden Liebe Vollschwellende Tränen.

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Illustration zu Herbstgefühl

Interpretation

Das Gedicht "Herbstgefühl" von Johann Wolfgang von Goethe beschreibt die lebendige und üppige Natur im Herbst. Die ersten Zeilen laden das Grün des Laubs ein, sich am Rebengeländer zu sammeln und vor dem Fenster des Sprechers zu sammeln. Die Natur wird als dicht und voller Leben dargestellt, mit Zwillingsbeeren, die schneller und glänzender werden. Die Sonne, der Himmel und der Mond werden als fördernde und schützende Kräfte beschrieben, die die Natur umgeben und nähren. Der zweite Teil des Gedichts wendet sich jedoch einem persönlichen Gefühl zu. Der Sprecher beobachtet die Natur mit Tränen in den Augen, die als "vollschwellende Tränen" der ewigen, belebenden Liebe beschrieben werden. Diese Tränen könnten als Ausdruck tiefer emotionaler Verbundenheit mit der Natur interpretiert werden, vielleicht als Anerkennung der Vergänglichkeit und Schönheit des Lebens. Die Tränen symbolisieren eine tiefe, emotionale Reaktion auf die Fülle und den Reichtum der Natur im Herbst. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Mischung aus Bewunderung für die Natur und einem tiefen, persönlichen Gefühl der Verbundenheit. Es zeigt, wie die äußere Schönheit der Natur innere emotionale Reaktionen hervorrufen kann, die sowohl Freude als auch Wehmut beinhalten. Das Gedicht fängt die Essenz des Herbstes ein, eine Zeit des Übergangs und der Reflexion, in der die Natur in ihrer vollen Pracht steht und der Mensch sich ihrer Schönheit und Vergänglichkeit bewusst wird.

Schlüsselwörter

fetter grüne laub rebengeländer fenster herauf gedrängter quellet

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Stilmittel

Hyperbel
Vollschwellende Tränen
Kontrast
Euch kühlet des Mondes / Freundlicher Zauberhauch, / Und euch betauen, ach!
Metapher
Fetter grüne, du Laub
Personifikation
Euch brütet der Mutter Sonne