Herbstgefühl (2)
1832Der Buchenwald ist herbstlich schon gerötet, So wie ein Kranker, der sich neigt zum Sterben, Wenn flüchtig noch sich seine Wangen färben; Doch Rosen sind′s wobei kein Lied mehr flötet.
Das Bächlein zieht und rieselt, kaum zu hören, Das Tal hinab, und seine Wellen gleiten, Wie durch das Sterbgemach die Freunde gleiten, Den letzten Traum des Lebens nicht zu stören.
Ein trüber Wandrer findet hier Genossen; Es ist Natur, der auch die Freuden schwanden, Mit seiner ganzen Schwermut einverstanden, Er ist in ihre Klagen eingeschlossen.
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Interpretation
Das Gedicht "Herbstgefühl (2)" von Nikolaus Lenau thematisiert die Melancholie und Vergänglichkeit der Natur im Herbst. Die Interpretation beginnt mit der Betrachtung des herbstlich geröteten Buchenwalds, der mit einem kranken Menschen verglichen wird, der dem Tod nahe ist. Die Farbenpracht der Blätter wird als letzter, flüchtiger Ausdruck des Lebens beschrieben, der jedoch ohne die Freude und das Lied der Rosen ist. Dieser Vergleich unterstreicht die Traurigkeit und das Ende eines Lebenszyklus. Im zweiten Teil des Gedichts wird das leise Fließen des Baches beschrieben, das an das Gleiten von Freunden im Sterbezimmer eines Sterbenden erinnert. Die Wellen des Baches bewegen sich sanft und leise, um den letzten Traum des Lebens nicht zu stören. Dieser Vergleich verdeutlicht die Ruhe und den Frieden, der mit dem nahenden Tod einhergeht. Die Natur wird als tröstender Begleiter für den traurigen Wanderer dargestellt, der in ihrer Schwermut Trost findet. Die Natur selbst hat ihre Freuden verloren und stimmt mit ihrer ganzen Melancholie überein. Der Wanderer fühlt sich in die Klagen der Natur eingeschlossen und findet in ihr einen verständnisvollen Gefährten für seine eigene Traurigkeit.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Er ist in ihre Klagen eingeschlossen
- Personifikation
- Es ist Natur, der auch die Freuden schwanden
- Vergleich
- Die Wellen gleiten, Wie durch das Sterbgemach die Freunde gleiten