Herbst

Kurt Schwitters

1919

Es schweigt der Wald in Weh. Er muss geduldig leiden, Dass nun sein lieber Bräutigam, Der Sommer, wird scheiden.

Noch hält er zärtlich ihn im Arm Und quälet sich mit Schmerzen. Du klagest, Liebchen, wenn ich schied, Ruht ich noch dir am Herzen.

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Interpretation

Das Gedicht "Herbst" von Kurt Schwitters beschreibt den Wald als trauernde Braut, die den Abschied ihres Liebhabers, des Sommers, beweint. Die Natur wird personifiziert und in eine emotionale Beziehung zwischen Sommer und Wald gestellt, die nun ihr jähes Ende findet. Die ersten beiden Verse setzen eine Stimmung der Trauer und des Schmerzes. Der Wald schweigt "in Weh" und muss "geduldig leiden", was die Hilflosigkeit und das Ausgeliefertsein der Natur gegenüber den Jahreszeitenzyklen verdeutlicht. Die Verwendung des Wortes "Bräutigam" für den Sommer verstärkt die romantische, fast eheliche Bindung zwischen den beiden. Die folgenden Zeilen zeigen die Zärtlichkeit, mit der der Wald noch immer den Sommer umarmt, obwohl dieser bereits Abschied nimmt. Der Wald "quält sich mit Schmerzen", was die Intensität seines Leids verdeutlicht. Der letzte Vers scheint eine Antwort auf diese Klage zu sein, möglicherweise vom Sommer selbst oder von einer anderen Stimme. Er suggeriert, dass der Sommer, auch wenn er geht, noch immer im Herzen des Waldes ruht und somit nicht vollständig verloren ist. Insgesamt vermittelt das Gedicht ein tiefes Gefühl des Verlusts und der Sehnsucht, das mit dem Wechsel der Jahreszeiten einhergeht. Es fängt die Schönheit und Tragik der Vergänglichkeit ein und lässt den Leser an der emotionalen Achterbahnfahrt der Natur teilhaben.

Schlüsselwörter

schweigt wald weh muss geduldig leiden lieber bräutigam

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Stilmittel

Metapher
Du klagest, Liebchen, wenn ich schied, Ruht ich noch dir am Herzen.
Personifikation
Noch hält er zärtlich ihn im Arm