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Herbst-Gefühl

Von

Müder Glanz der Sonne!
Blasses Himmelblau!
Von verklungner Wonne
Träumet still die Au.

An der letzten Rose
Löset lebenssatt
Sich der letzte lose,
Bleiche Blumenblatt!

Goldenes Entfärben
Schleicht sich durch den Hain!
Auch Vergehn′n und Sterben
Däucht mir süß zu sein.

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Gedicht: Herbst-Gefühl von Karl von Gerok

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Herbst-Gefühl“ von Karl von Gerok ist eine melancholische Naturbetrachtung, die die Stimmung des Herbstes einfängt und eine Reflexion über Vergänglichkeit und das Akzeptieren des Todes darstellt. Es beginnt mit einem Bild von verblasstem Licht und Himmel, welches sofort eine Atmosphäre der Wehmut und des Abschieds erzeugt. Die „verklungne Wonne“ deutet auf vergangene Freuden hin, die nun in der Stille der Natur nachklingen.

In der zweiten Strophe wird die Vergänglichkeit konkretisiert. Das „letzte lose, / Bleiche Blumenblatt“ symbolisiert den Abschied vom Leben und die Auflösung des Schönen. Die Rose, als Inbegriff der Schönheit und des Lebens, verliert ihre Blätter, ein unaufhaltsamer Prozess, der die Endlichkeit allen irdischen Daseins widerspiegelt. Der Fokus liegt auf dem Verlust und der Trauer, die damit verbunden sind.

Die dritte Strophe, der Höhepunkt des Gedichts, nimmt eine überraschende Wendung. Anstatt nur Trauer und Verlust zu beschreiben, wird das „Vergehn′n und Sterben“ als „süß“ empfunden. Diese ambivalente Haltung, die die Auflösung als etwas sowohl Unvermeidliches als auch Angenehmes darstellt, deutet auf eine tiefere Akzeptanz des natürlichen Kreislaufs hin. Das goldene Entfärben des Hains kann als Metapher für den Reifeprozess der Natur gesehen werden, der die Ruhe und den Frieden im Sterben des Lebens findet.

Geroks Gedicht ist von einer einfachen, klaren Sprache geprägt, die eine tiefgreifende Botschaft vermittelt. Die Verwendung von Bildern der Natur, wie Sonne, Himmel, Rose und Hain, macht das Gedicht für den Leser zugänglich und erzeugt eine unmittelbare emotionale Resonanz. Durch die Beschreibung des Herbstes als Zeitpunkt des Abschieds und der Veränderung wird die Vergänglichkeit thematisiert. Das Gedicht endet mit einem Trost in der Akzeptanz, einem sanften Übergang in die Natur und der Erkenntnis, dass selbst das Sterben seinen eigenen süßen Aspekt haben kann.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.