Herbst
1845Schon ins Land der Pyramiden Flohn die Störche übers Meer; Schwalbenflug ist längst geschieden, Auch die Lerche singt nicht mehr.
Seufzend in geheimer Klage Streift der Wind das letzte Grün; Und die süßen Sommertage, Ach sie sind dahin, dahin!
Nebel hat den Wald verschlungen, Der dein stillstes Glück gesehn; Ganz in Duft und Dämmerungen Will die schöne Welt vergehen.
Nur noch einmal bricht die Sonne Unaufhaltsam durch den Duft, Und ein Strahl der alten Wonne Rieselt über Tal und Kluft.
Und es leuchten Wald und Heide, Daß man sicher glauben mag, Hinter allem Winterleide Lieg′ ein ferner Frühlingstag.
Die Sense rauscht, die Ähre fällt, Die Tiere räumen scheu das Feld, Der Mensch begehrt die ganze Welt.
Und sind die Blumen abgeblüht, So brecht der Äpfel goldne Bälle; Hin ist die Zeit der Schwärmerei, So schätz nun endlich das Reelle!
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Interpretation
Das Gedicht "Herbst" von Theodor Storm beschreibt den Übergang vom Sommer zum Herbst und die damit verbundenen Veränderungen in der Natur. Es beginnt mit dem Abzug der Vögel in wärmere Gefilde und dem Verstummen der Lerche, was den Abschied vom Sommer symbolisiert. Die Stimmung ist melancholisch, da die schönen Sommertage vorbei sind und der Herbst Einzug hält. Im zweiten Teil des Gedichts wird die herbstliche Landschaft mit Nebel und Düften beschrieben, die eine geheimnisvolle und vergängliche Atmosphäre schaffen. Trotzdem gibt es noch Momente der Schönheit, wenn die Sonne durchbricht und einen letzten Hauch von Sommerfreude verbreitet. Dies symbolisiert die Hoffnung auf einen neuen Frühling nach dem Winter. Im letzten Teil des Gedichts wird die Ernte und der Reifeprozess der Natur thematisiert. Die Sense rauscht und die Ähren fallen, was den Zyklus des Lebens und Sterbens verdeutlicht. Der Mensch wird aufgefordert, die Realität zu schätzen und die Vergänglichkeit des Lebens zu akzeptieren, anstatt in Illusionen zu verfallen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Süßen Sommertage
- Metapher
- Hin ist die Zeit der Schwärmerei
- Personifikation
- Die Sense rauscht, die Ähre fällt