Herbst
1940Traumstill die Welt. Nur ab und zu ein heisrer Schrei Von Raben, die verflatternd um die Stoppeln streichen. Der düstre Himmel drückt wie mattes schweres Blei Ins Land hinab. Und sacht mit seinen sammetweichen Schleichschritten geht der Herbst durch Grau und Einerlei. Und in sein schweres Schweigen geh auch ich hinein, Der unbefriedigt von des Sommers Glanz geschieden. Die linde Stille schläfert meine Wünsche ein. Mir wird der Herbst so nah. Ich fühle seinen Frieden: Mein Herz wird reich und groß in weitem Einsamsein. Denn Schwermut, die die dunklen Dörfer überweht, Hat meiner Seele viel von ihrem Glück gegeben. Nun tönt sie leiser, eine Glocke zum Gebet, Und glockenrein und abendmild scheint mir mein Leben, Seit es des Herbstes ernstes Bruderwort versteht. Nun will ich ruhen wie das müde dunkle Land … Beglückter geht mein Träumerschritt in leise Stunden, Und sanfter fühle ich der Sehnsucht heiße Hand. Mir ist, als hätt ich einen treuen Freund gefunden, Der mir oft nahe war und den ich nie gekannt …
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Interpretation
Das Gedicht "Herbst" von Stefan Zweig beschreibt die Stimmung und Atmosphäre des Herbstes als eine Zeit der Ruhe, Stille und Besinnung. Die Natur wird als traumstill und düster dargestellt, mit einem schweren Himmel und den leisen Schritten des Herbstes, der durch die Landschaft schleicht. Der Sprecher fühlt sich vom Sommer enttäuscht und findet Trost in der sanften Stille des Herbstes, die seine Wünsche einschläfert und sein Herz in der Einsamkeit wachsen lässt. Die Schwermut, die über die dunklen Dörfer weht, wird als etwas Positives dargestellt, da sie dem Sprecher viel Glück gebracht hat. Das Leben des Sprechers erscheint ihm nun glockenrein und abendmild, seit er die ernsten Worte des Herbstes versteht. Der Herbst wird als ein treuer Freund dargestellt, der dem Sprecher nahe war, auch wenn er ihn nie bewusst wahrgenommen hat.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- [Traumstill die Welt ein heisrer Schrei Raben, die verflatternd um die Stoppeln streichen Der düstre Himmel drückt wie mattes schweres Blei sammetweichen Schleichschritten Grau und Einerlei schweres Schweigen des Sommers Glanz linde Stille weitem Einsamsein die dunklen Dörfer eine Glocke zum Gebet abendmild das müde dunkle Land leise Stunden der Sehnsucht heiße Hand einen treuen Freund]
- Enjambement
- [Traumstill die Welt. Nur ab und zu ein heisrer Schrei Von Raben, die verflatternd um die Stoppeln streichen. Der düstre Himmel drückt wie mattes schweres Blei Ins Land hinab. Und sacht mit seinen sammetweichen Schleichschritten geht der Herbst durch Grau und Einerlei. Und in sein schweres Schweigen geh auch ich hinein, Der unbefriedigt von des Sommers Glanz geschieden. Die linde Stille schläfert meine Wünsche ein. Mir wird der Herbst so nah. Denn Schwermut, die die dunklen Dörfer überweht, Hat meiner Seele viel von ihrem Glück gegeben. Nun tönt sie leiser, eine Glocke zum Gebet, Und glockenrein und abendmild scheint mir mein Leben, Seit es des Herbstes ernstes Bruderwort versteht. Nun will ich ruhen wie das müde dunkle Land ... Beglückter geht mein Träumerschritt in leise Stunden, Und sanfter fühle ich der Sehnsucht heiße Hand. Mir ist, als hätt ich einen treuen Freund gefunden, Der mir oft nahe war und den ich nie gekannt ...]
- Personifikation
- [Der düstre Himmel drückt Und sacht mit seinen sammetweichen Schleichschritten geht der Herbst durch Grau und Einerlei Und in sein schweres Schweigen geh auch ich hinein Die linde Stille schläfert meine Wünsche ein Mir wird der Herbst so nah Denn Schwermut, die die dunklen Dörfer überweht]
- Symbolik
- [Raben, die verflatternd um die Stoppeln streichen der Herbst die linde Stille die Schwermut]
- Vergleich
- [Der düstre Himmel drückt wie mattes schweres Blei]